Tipp des Monats im April 2003:

                                          
Vogeleier -
keines gleicht dem anderen

 

                                                                

 

Das Ei einer afrikanischen Straußenhenne wiegt 1,5 kg und gehört damit zu den größten und schwersten Vogeleiern. Der Hummelkolibri dagegen legt ein Ei mit nur 0,2 g Gewicht. Trotzdem ist das Ei des Kolibris 7,6 mal schwerer als das des Straußes – wenn man es im Verhältnis zum Körpergewicht des Weibchens setzt. Beim Kolibri macht das Eigewicht 1/8 des Körpergewichts aus, beim 90 kg schweren Strauß dagegen nur 1/60. Dass Eier sich auch sonst nicht „wie eines dem anderen“ gleichen, zeigt der Tipp des Monats im Naturhistorischen Museum.

Auch die Form der Eier ist von Art zu Art unterschiedlich. Während z. B. Hühner ein ovales Ei legen, ist das von Eulen fast rund. Vögel, die an steilen Felsküsten brüten, legen kegelförmige Eier. Kommt ein solches Ei ins Rollen, kullert es nicht weg und stürzt ab, sondern dreht sich um seinen spitzen Pol. Ob das wirklich funktioniert? Der Tipp des Monats lädt ein, es selbst auszuprobieren.

Die Eifarbe hat u. a. damit zu tun, wo der Vogel brütet. So sind die geschützt liegenden Eier von Höhlenbrütern oft auffallend weiß oder leuchtend blau. Vögel, die auf dem Boden brüten, haben dagegen eher unauffällige, der Umgebung angepasste Eier. Das Gelege des bodenbrütenden Flussregenpfeifers z. B. ist mit seiner naturfarbenen, bräunlich gesprenkelten Schale so gut getarnt, dass man es für eine Ansammlung von Steinen hält.

Eine besondere Anpassung in bezug auf die Eifarbe zeigt der Kuckuck. Will er sein Ei unbemerkt in das Nest eines Wirtsvogels legen, sollte es ähnlich aussehen wie dessen eigenes Gelege. Jedes Kuckucksweibchen legt Eier mit einer ganz bestimmten Schalenfarbe und ist deshalb zeitlebens an eine einzige Wirtsvogelart gebunden. Von Kuckuck zu Kuckuck unterscheiden sich die Eier jedoch – und damit auch der Wirtsvogel, der das Ei ausbrütet. Je nach Wirtsvogel spricht man von Kuckucksweibchen vom Drosselrohrsänger-Typ oder vom Bachstelzen-Typ. Schlüpft ein weiblicher Kuckuck im Bachstelzennest, wird er – wie seine Mutter – ebenfalls bachstelzenähnliche Eier in die Nester von Bachstelzen legen. Allerdings findet man auch Gelege, in denen die Kuckuckseier kaum den Eiern des Wirtes gleichen und trotzdem angenommen werden. Diese Wirtsvögel akzeptieren offenbar auch anders aussehende Eier, so dass eine farbliche Anpassung nicht nötig ist.

 

Isabell Ziekur

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