Tipp des Monats im August 2003: Der Albatros - Majestätischer Segler über den Meeren


 

„In seinen Schwingen liegt die ganze Majestät des Ozeans“ schreibt Ivan Lissner in seinem Buch „Menschen und Mächte am Pazifik“. Es ist unbestreitbar ein beeindruckendes Bild, wenn die riesigen Seevögel mit langen, weit ausgebreiteten Flügeln im Wind über dem Meer gleiten. Mit einer Spannweite von bis zu 3,50 m gehört der Wanderalbatros zu den größten der insgesamt 14 Albatros-Arten. Die extrem langen Flügel sind eine Anpassung an das Fliegen über dem offenen Meer: Der Luftstrom, der auf die Vorderkante des Flügels trifft, teilt sich dort und umfließt den Flügel oben und unten. Weil die Flügel nach oben gewölbt sind, ist der Weg auf der Oberseite des Flügels länger als der auf der Unterseite. Das bedeutet, dass die Luft, die oben entlang strömt, schneller fließen muss. Als Folge davon entsteht auf der Oberseite ein Unterdruck, der den Flügel nach oben zieht. Je länger also ein Flügel ist, desto mehr Luft strömt ihn von vorn an und desto mehr Sog entsteht auf der Oberseite. Die extrem langen Flügel der Albatrosse sind also eine Anpassung an ein Leben über dem offenen Meer, wo fast ständig ein kräftiger Wind bläst, es andererseits aber keine Hindernisse gibt, zwischen denen die großen Vögel hindurch manövrieren müssten.


Albatrosse sind für den Luftraum konstruiert. Schwierig wird es, wenn sie in Bodennähe kommen. Dann sind die langen Schwingen eher hinderlich, weil sie nicht auf und ab geschlagen werden können, ohne den Untergrund zu berühren. Albatrosse starten deshalb meistens im Aufwind von Klippen oder Wellen. Bei einem Start vom Boden machen sie es ähnlich wie Flugzeuge und nehmen zunächst mit weit ausgebreiteten Schwingen zu Fuß Beschleunigung auf. Damit sie einen genügend langen Anlauf haben, verlaufen durch ihre Brutkolonien breite Startbahnen.

Aber auch das Landen ist eine Kunst. Albatrosse sind schnelle Flieger, denen das Abbremsen schwer fällt. Zwar werden sie im Landeanflug etwas langsamer, indem sie die Füße herablassen, aber Flügelschläge sind in Bodennähe kaum mehr möglich und mit ihrem kurzen Schwanz können sie nur wenig bremsen. Deshalb setzen sie mit relativ viel Schwung auf und versuchen, durch Laufen zum Stillstand zu kommen. Meistens kommt es dabei jedoch zu einer Bruchlandung, weil ihre Fluggeschwindigkeit höher ist als ihr Lauftempo.

Wanderalbatrosse bekommen nur alle 2 Jahre ein Junges. Die erwachsenen Vögel leben in Einehe und bebrüten gemeinsam das Ei. Wenn das Küken nach knapp 3 Monaten schlüpft, wird es von beiden Eltern fast ein Jahr lang versorgt. In den ersten Wochen kümmern sie sich besonders intensiv um das Junge und beschützen es vor räuberischen Seevögeln. Ältere Küken bleiben oft alleine zurück, während die Eltern weite Strecken auf der Suche nach Fischen und Tintenfischen zurücklegen. Gegen Angreifer wissen sie sich wirkungsvoll zu verteidigen, indem sie ihnen eine ölige Flüssigkeit, die im Magen gebildet wird, entgegenspucken.


Isabell Ziekur

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