
Eigentlich ist es kaum zu glauben: Die Kleine Rote Waldameise, nur 4 - 11 mm groß, soll eine wichtige Rolle im ökosystem Wald spielen? Warum schätzen wir sie so sehr, dass wir sogar ihre Nester mit Drahtgittern schützen? Der Tipp des Monats Februar im Naturhistorischen Museum geht dieser und anderen Fragen rund um Ameisen nach. Ameisen zählen weltweit zu den häufigsten Tieren. Ihren Erfolg verdanken sie ihrem Sozialleben. Die Kleine Rote Waldameise bildet Staaten mit mehreren 100.000 Tieren, die perfekt organisiert sind und effektiv zusammen arbeiten. Die Königinnen sorgen für eine stets zahlreiche Nachkommenschaft. Arbeiterinnen pflegen Brut und Königin und schaffen Nahrung für alle herbei. Außerdem bauen, reparieren, bewachen und verteidigen sie das Nest. Das Nest ist Mittelpunkt eines Ameisenvolkes. Es besteht nicht nur aus dem uns bekannten oberirdischen Hügel, sondern auch aus einem tief in den Boden gegrabenen Erdnest. Davon zeugt der Erdauswurf an den Seiten eines Ameisenhaufens. Im Inneren des Hügel- und Erdnestes befindet sich ein verzweigtes System aus Gängen und Kammern. Die Form der Nestkuppel variiert je nach Standort. Eine hohe und steile Kuppel kann mehr Sonnenwärme auffangen und Regen besser ableiten als eine flache. Im schattigen Wald wird die Kuppel deshalb steiler gebaut als an einem sonnigen Waldrand. |
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Die Tätigkeiten der Waldameisen wirken sich in vielerlei Hinsicht positiv auf ihre Umgebung aus. So sind Waldameisen eine wichtige Schutzmacht gegen Forstschädlinge. Ein Ameisenvolk kann in einer Vegetationsperiode 5 Millionen Insekten vertilgen, darunter auch die von uns gefürchteten Borkenkäfer oder Kiefernspanner. Waldameisen tragen außerdem zur Samenverbreitung bei, indem sie verschiedene Pflanzensamen als Nahrung oder Nestbaumaterial verschleppen. Die Nestbautätigkeit selbst wirkt sich positiv auf die Bodenqualität aus: Der Boden wird gelockert, durchlüftet und mit organischer Substanz durchmischt. Dadurch wird die Humusbildung beschleunigt und das Wasseraufnahme-vermögen erhöht. Dies wiederum schafft besonders gute Bedingungen für Pflanzen. In Nähe eines Ameisennestes werden Triebe und Nadeln deshalb oft größer. Viele Tiere machen es sich zunutze, dass Ameisen so häufig sind, und erschliessen sie sich als Nahrungsquelle. Zu den Ameisenliebhabern gehören bei uns z. B. Spechte. In den Tropen und Subtropen haben sich aber auch viele Säugetierarten auf Ameisen und Termiten spezialisiert, z. B. Ameisenbären, Schuppentiere, Erdferkel oder sogar ursprünglich fleischfressende Raubtiere wie der Erdwolf. Viele der Ameisen- und Termitenfresser zeigen ähnliche Anpassungen an diese Ernährung: Die Schnauze ist oft röhrenförmig ausgezogen, die Zunge lang und klebrig. Bei manchen Arten sind die Zähne zurückgebildet und ein Muskelmagen übernimmt dafür die Aufgabe des Zerkleinerns. Doch nicht nur die Ameisen selbst, sondern auch ihr Produkt, die Ameisensäure, ist von Bedeutung. Dass dies nicht nur Menschen, sondern auch Vögel erkannt haben und wie sie es zu nutzen wissen, zeigt der Tipp des Monats im Naturhistorischen Museum. Isabell Ziekur |
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