Der Berglemming Lemmus lemmus bewohnt die
Bergregionen Nordskandinaviens. Dort lebt er in der bodennahen Vegetation in
Tunnelsystemen, die ihm Schutz vor Feinden gewähren und in denen er seine
Futterpflanzen wie Riedgräser, verschiedene Kräuter und Moose sammeln kann.
Alle 3-4 Jahre vermehrt sich der Lemming massenhaft infolge besonders
günstiger Lebensbedingungen. Dann kann ein Lemmingpaar, das im Frühling
geboren wurde, mitunter schon im darauffolgenden Winter 40-50 Junge haben.
In den nun folgenden sogenannten „Lemmingjahren“ sind die kleinen Nager dann
so häufig, dass nicht mehr genug Lebensraum für alle vorhanden ist. Deshalb
wandern große Mengen der Lemminge in die Täler und teils sogar bis ans Meer.
Dort kommt die Wanderung zum Stillstand. Da aber immer mehr Lemminge
nachrücken und die kleinen Nager somit unter hohen Stress geraten, stürzen
sich viele schließlich blindlings in die Fluten. Obwohl Lemminge
hervorragende Schwimmer sind, müssen sie früher oder später zwangsläufig
ertrinken, wenn sie aufs offene Meer geraten; es sei denn sie erreichen ein
rettendes Ufer.
Ein
Lemmingjahr ist auch für die Hauptfeinde der kleinen Nager, Schneeeule, Fuchs
und Hermelin, ein herausragendes Ereignis, denn sie profitieren von dem überaus
reichhaltigen Lemmingbestand und genießen damit beste Lebens- und
Vermehrungsbedingungen.
Der Lebensraum
des Berglemmings hatte sich während des Eiszeitalters, als große Teile des
Nordens von Inlandgletschern bedeckt waren, weit nach Süden bis nach
Norddeutschland verschoben. Auch für den Braunschweiger Raum wurde er durch
Knochenfunde nachgewiesen. Sie sind in der Ausstellung über die „Tierwelt des
Eiszeitalters“ im Lichtsaal des Museums zu sehen.
Christian Herrmann