Tipp des Monats im Oktober 2005:
   Lemminge –
Gemeinschaftliche Klippenspringer ?

Lemminge kennen viele Menschen nur als die kleinen Nager, die sich alle paar Jahre zu Tausenden auf Wanderschaft begeben und sich am Ende ihrer Reise gemeinschaftlich ins Meer stürzen. Ist das wirklich der Fall? Woher kommt das merkwürdige Wanderverhalten der Lemminge und ihr vermeintlicher „Massenselbstmord?“ Um Licht ins Dunkel zu bringen macht das Naturhistorische Museum den Lemming zum Tipp des Monats Oktober.

Der Berglemming Lemmus lemmus bewohnt die Bergregionen Nordskandinaviens. Dort lebt er in der bodennahen Vegetation in Tunnelsystemen, die ihm Schutz vor Feinden gewähren und in denen er seine Futterpflanzen wie Riedgräser, verschiedene Kräuter und Moose sammeln kann. Alle 3-4 Jahre vermehrt sich der Lemming massenhaft infolge besonders günstiger Lebensbedingungen. Dann kann ein Lemmingpaar, das im Frühling geboren wurde,  mitunter schon im darauffolgenden Winter 40-50 Junge haben. In den nun folgenden sogenannten „Lemmingjahren“ sind die kleinen Nager dann so häufig, dass nicht mehr genug Lebensraum für alle vorhanden ist. Deshalb wandern große Mengen der Lemminge in die Täler und teils sogar bis ans Meer. Dort kommt die Wanderung zum Stillstand. Da aber immer mehr Lemminge nachrücken und die kleinen Nager somit unter hohen Stress geraten, stürzen sich viele schließlich blindlings in die Fluten. Obwohl Lemminge hervorragende Schwimmer sind, müssen sie früher oder später zwangsläufig ertrinken, wenn sie aufs offene Meer geraten; es sei denn sie erreichen ein rettendes Ufer.

Ein Lemmingjahr ist auch für die Hauptfeinde der kleinen Nager, Schneeeule, Fuchs und Hermelin, ein herausragendes Ereignis, denn sie profitieren von dem überaus reichhaltigen Lemmingbestand und genießen damit beste Lebens- und Vermehrungsbedingungen.

Der Lebensraum des Berglemmings hatte sich während des Eiszeitalters, als große Teile des Nordens von Inlandgletschern bedeckt waren, weit nach Süden bis nach Norddeutschland verschoben. Auch für den Braunschweiger Raum wurde er durch Knochenfunde nachgewiesen. Sie sind in der Ausstellung über die „Tierwelt des Eiszeitalters“ im Lichtsaal des Museums zu sehen.

 

Christian Herrmann

 

 

                                                                                                                                                                                              Archiv   zurück