Tipp des Monats im April 2002:
Bernstein -
'konservierte' Tier- und Pflanzenwelt



Den schmerzhaften und gefürchteten Wespenstich gab es bereits vor 40 Millionen Jahren. Überliefert im Bernstein aus dem Eozän, einer Epoche zu Beginn der Erdneuzeit. Daran erkennen wir, dass die Insekten und andere Wirbellose zu dieser Zeit bereits den heutigen Entwicklungsstand erreicht hatten, also in einer Zeit, in der die Evolution der Säugetiere erst begann.

Das gut erhaltene Fossil ist in jenem glasklaren Baumharz überliefert, das wir Bernstein nennen. Gern wird in diesem Zusammenhang für die Einschlüsse im Bernstein das Bild von den 'Gläsernen Särgen' verwendet. Der Unterschied zu den meisten anderen Fossilien, die erst nach ihren Tode eingebettet wurden, ist jedoch, dass die Tiere im Bernstein lebend in ihre Harzfalle gerieten.

Wenn an einem Baum das Harz austrat, konnte es für die kleinen Lebewesen zur tödlichen Klebefalle werden. Häufig erscheint es dem Betrachter, die Momentaufnahme der letzten Sekunde des Lebens eines Tieres vor sich zu haben.

So erlauben durch Beobachtung ihres Aussehens und Verhaltens die kleinen Tiere im Bernstein erstaunliche Aussagen über ihr Leben und ihre Entwicklung. Es sind Ameisen nachgewiesen, die verbissen miteinander kämpften oder ihre Eier trugen. Fliegen, Mücken und Spinnen sehen wir bei der Fortpflanzung sowie in allen Stadien ihrer Entwicklung vom Ei über die Larve bis zum geschlechtsreifen Tier. Spinnenkokons, in denen Brut heranwuchs, Spinnenfäden, an denen Beute haftet. Aber auch Pilze, Moose, Holzreste, Blättchen, Nadeln und Blüten dokumentieren einen Lebensraum längst vergangener Zeiten, den 'Bernsteinwald'.

Im Fossiliensaal des Naturhistorischen Museums können zahlreiche Bernsteineinschlüsse an einem eigens dafür entwickelten Binokulartisch 'hautnah' betrachtet werden. Ein einmaliger Einblick in die Kleinlebewelt des 'Bernsteinwaldes' vor Millionen von Jahren. Wer noch mehr über Bernstein wissen will sollte nicht versäumen, sich im April auch den Tipp des Monats im Naturhistorischen Museum anzusehen.


Fritz J. Krüger

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