Tipp des Monats im Januar 2003:
Der Bisam
- Erfolgreicher Fremdling an unseren Gewässern


Bisams sind eigentlich Nordamerikaner. Ihre Eroberung des europäischen Kontinents begann 1905. Ein Fürst brachte damals von einer Jagdreise nach Alaska fünf Tiere mit und setzte sie auf seinem Schlossgut in der Nähe von Prag aus. Die Tiere vermehrten sich rasch und begannen sich auszubreiten. Heute findet man Bisams in ganz Mitteleuropa. An stehenden und langsam fließenden Gewässern finden sie auch bei uns geeignete Lebensräume. Als Bürger Nordamerikas kommen sie – anders z.B. als die aus Südamerika stammenden Nutrias – auch mit kalten Wintern zurecht. Ihre Anpassungs-fähigkeit, ihre hohe Nachkommenzahl und der Mangel an natürlichen Feinden macht sie derart erfolgreich, dass sie heute nicht mehr auszurotten sind.

Bisams werden v.a. wegen ihres wertvollen Pelzes geschätzt. Da sie sich viel im Wasser aufhalten, ist das Fell besonders dicht und besitzt eine weiche, wasserabweisende Unterwolle. Während sie in vielen Ländern als Nutzwild eingestuft und bejagt werden, gelten sie bei uns als Schädlinge.

Besonders zwei Dinge werden ihnen vorgeworfen: Bautätigkeit und Fresslust. Da Bisams ihren Bau in die Steilufer am Gewässerrand graben, unterwühlen sie auf diese Weise Dämme und Deiche.  Wo Bisams leben, sind außerdem oft weite Teile der Ufervegetation vernichtet. Das liegt daran, dass die Tiere sehr verschwenderisch mit ihrer Nahrung umgehen und nur die besonders nährstoffreichen Teile ihrer Futterpflanzen fressen. Auch vor Garten- und Feldfrüchten macht ihr Appetit nicht halt. Im Winter, wenn Grünfutter knapp ist, weichen sie auf Fische und Muscheln aus und werden damit zum vermeintlichen Nahrungskonkurrenten des Menschen.

Woran erkennt man einen Bisam? Und wie unterscheidet man ihn von anderen im Wasser lebenden Nagetieren wie z.B. einem Nutria oder einem Biber? Mit 35 cm Kopf-Rumpf-Länge sind Bisams die kleinsten der drei Nager. Ihr Schwanz ist weder breit und flach wie die Biberkelle noch „normal“ rund wie ein Nutria-Schwanz, sondern seitlich zusammengedrückt. Er wird beim Schwimmen nach rechts und links bewegt und dient als Antriebs- und Steuerorgan. Auch die Bisamfährte zeigt einen deutlichen Unterschied: Bisams haben – im Gegensatz zu Nutrias und Bibern – keine sichtbaren Schwimmhäute zwischen den Zehen des hinteren Fußes. Aber ihre Zehenränder sind mit einem Saum aus steifen Haaren, sog. Schwimmborsten, besetzt. Diese vergrößern die Fußfläche – das erschwert das Einsinken im Schlamm und verstärkt den Antrieb beim Paddeln.

Jeder Tipp des Monats im Naturhistorischen Museum wird ab sofort nicht nur einen, sondern drei Monate lang ausgestellt. Besucher, die sich für Zusatzinformationen zu einzelnen Tieren interessieren, finden deshalb immer mehrere „Tipps“ im Museum. Im Januar sind neben dem Bisam noch die Naslinge und das Mammut zu sehen. Das Bisamfell kann noch bis Ende März gestreichelt werden.


Isabell Ziekur

Archiv