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Wenn es Nacht wird in Neuseelands Regenwäldern, hört man es manchmal schnüffeln und schnauben– dann ist ein Kiwi auf Nahrungssuche. Mit seinem langen, biegsamen Schnabel stochert er im Boden nach Würmern und Insekten. Ab und zu hält er inne, um den in die Nasenlöcher geratenen Schmutz mit einem heftigen Niesen herauszuprusten. Kiwis gehören zu den flugunfähigen Laufvögeln und sind verwandt mit Strauß, Emu, Kasuar und Nandu. Es gibt drei Kiwiarten, die alle ausschließlich auf Neuseeland vorkommen. Kiwis sind sonderbare Geschöpfe. Ihre eigentümliche Körperform beruht u.a. darauf, dass sie weder lange Schwanzfedern noch erkennbare Flügel haben. Die Flügel sind jedoch nicht ganz zurückgebildet: Das im Naturhistorischen Museum ausgestellte Skelett zeigt, dass sie zwar winzig, aber noch vorhanden sind. |
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In vielen Merkmalen ähneln Kiwis eher Säugetieren als Vögeln. Ihr zotteliges Federkleid sieht aus wie ein haariger Pelz. Im Gegensatz zu den Konturfedern anderer Vögel sind die einzelnen Strahlen der Kiwifedern nicht durch Haken miteinander verbunden. Ein Blick durch die Lupe im Naturhistorischen Museum zeigt den Unterschied. Die meisten Vögel orientieren sich vorwiegend optisch – für die nachtaktiven Kiwis dagegen ist es wichtiger, gut zu hören, zu riechen und zu fühlen. Kiwis haben relativ kleine Augen und sind kurzsichtig. Aber sie haben ein scharfes Gehör und einen ausgezeichneten Geruchssinn. Borsten am Schnabelgrund melden – ähnlich den Schnurrhaaren einer Katze – Tastempfindungen. Auch der lange Schnabel ist tastempfindlich. Kiwis sind die einzigen Vögel, bei denen die Nasenlöcher an der Schnabelspitze liegen. So können sie Beutetiere im Boden besser riechen. Kiwis können zwar nicht fliegen, aber gut und ausdauernd laufen. Ihre Beine sind kräftig und muskulös, ihre Füße sind groß und haben scharfe Krallen. Die großen kräftigen Füße sind außerdem wirksame Verteidigungsinstrumente und brauchbare Grabwerkzeuge. Kiwieier sind riesig. Obwohl Kiwis ungefähr so groß sind wie unsere Haushühner, wiegt ein Kiwiei mit rund 450 g acht mal mehr als ein mittelgroßes Hühnerei. Bebrütet wird das Riesenei von beiden Partnern oder vom Männchen alleine. Die Brutdauer ist enorm: Sie beträgt etwa 84 Tage und ist damit vier mal länger als die des Haushuhns. Während Hühnerküken innerhalb einiger Stunden schlüpfen, brauchen Kiwis dafür 2-3 Tage. Danach geht es mit Riesenschritten in die Selbstständigkeit: Als Nestflüchter gehen sie schon nach wenigen Tagen selbst auf Futtersuche und mit 2-3 Wochen sind sie vollständig unabhängig.
Isabell Ziekur
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