Tipp des Monats im Juli 2004: Der Luchs – Zurück im Harz

 


Am 17.03.1818 wurde der letzte im Harz lebende Luchs nach einer aufsehenerregenden elftägigen Jagd zwischen Seesen und Lauenthal erlegt. Fast 200 Personen wurden damals aufgeboten, um einen Luchskater zur Strecke zu bringen. Dieser letzte Harz-Luchs ist heute in einer naturgetreuen Umgebung, einem sogenannten Diorama, im Natur-historischen Museum ausgestellt. Das Museum hat die Rückkehr des Luchses nach über 180 Jahren als Anlass genommen, den Luchs zum Tipp des Monats zu machen.

Ehemals war der Luchs in fast ganz Europa verbreitet. Als Nahrungskonkurrent des Menschen wurde er in den vergangenen Jahrhunderten stark verfolgt. Zudem galt er als kluger und listiger Räuber, so dass demjenigen, dem es gelang einen Luchs zu töten, eine besondere Ehre zu Teil wurde. Sich fortpflanzende Populationen existierten im 18. Jahrhundert schließlich nur noch im Erzgebirge, im Bayrischen und im Böhmer Wald.

Die letzte Luchsjagd im Harz wurde in einer Veröffentlichung aus dem Jahre 1818 des Herzoglich-Braunschweigischen Forstmeisters Werner Graf von Veltheim in Einzelheiten beschrieben. Er beschreibt den letzten Tag der Jagd: „Kaum waren die nachgehenden Jäger 200 Schritte weit der Fährte gefolgt, als sie den Luchs frisch flüchtig spürten (...). Da springt der Luchs nun in die Dickung zwar zurück, kommt aber doch auf einer lichten Stelle vor dem Königlich Hannöverschen reitenden Förster Spellerberg aus Lautenthal , breit heraus, in welchem Augenblicke dann ihm dieser mit sicherer Hand eine Flintenkugel ächtmeisterlich durch das Herz schießt, worauf der Wütherich nach zwey Bogensätzen entseelt niederstürzet.

Nach Beschreibung der folgenden Festlichkeiten schließt von Veltheim seinen Bericht: „Doch - mag er nun ruhen, der Todte! Dianen sey Dank, daß er endlich tod ist! Schön ausgestopft und skelettiert pranget er nun, zum hoffentlich ewigen Andenken, im Museum zu Braunschweig.

1999 entschlossen sich das niedersächsische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten und die Landesjägerschaft Niedersachsen den Luchs im Harz wieder anzusiedeln. Schon ein Jahr später war es dann soweit. Im Sommer 2000 wurden die ersten 3 Luchse in die Freiheit entlassen. Seitdem sind insgesamt 19 Tiere freigelassen worden, es sollen bis zu vierzig werden.

Alle ausgewilderten Luchse stammen aus verschiedenen Tierparks Europas, um den Wildbestand nicht zu gefährden und einer Inzucht vorzubeugen. Vor ihrer Freilassung müssen die Tiere noch 2-3 Monate in einem Eingewöhnungsgehege verbringen. In Freiheit geborene Jungluchse konnten bereits in den Jahren 2002 und 2003 nachgewiesen werden; man schätzt, dass aus diesen beiden Jahren etwa fünf Tiere groß geworden sind.

Wer mehr über das Leben unserer größten heimischen Katze und das Auswilderungsprojekt wissen möchte, kann dies bei einem Besuch der Tipp-Säule im Naturhistorischen Museum erfahren.


Claudia Kamcke

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