Tipp des Monats im Oktober 2001: Das Eichhörnchen
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Das Eichhörnchen Sciurus vulgaris ist ein kleines, putziges Nagetier, welches wir in unseren Wäldern, Parks und Gärten das ganze Jahr über antreffen können. Es ist in ganz Mitteleuropa vertreten.
Besonders jetzt im Herbst kann man das tagaktive Hörnchen beobachten, wie es Vorräte für den Winter sammelt. Es hält nämlich keinen Winterschlaf. Vor allem bei reicher Ernte legt das Eichhörnchen Nahrungsdepots an, d.h. es vergräbt gefundenen Nüsse, Eicheln und getrocknete Pilze an markanten Plätzen unter der Erde. Grosse Depots kann es sich merken,
kleinere Verstecke findet es durch systematisches Absuchen seines Geländes wieder.
Zur Vorbereitung auf den Winter gehört auch der Haarwechsel. Er setzt im September ein und dauert bis November. Das Eichhörnchen bekommt ein dunkleres, langhaariges und dichteres Fell. Der Schwanz wird buschiger und an den kleinen Ohren wachsen ihm lange Ohrbüschel,
die bis zu 46 mm lang werden können. Auch seine Sohlen werden behaart, damit bekommt es sicheren Halt auf vereisten Ästen.
Im Frühjahr wird sein Fell wieder dünner und die langen Ohrbüschel fallen ihm wieder aus.
Die Winterruhe hält das Eichhörnchen in seinem Kobel, den es alle paar Tage zur Nahrungssuche verlassen muss. Der Kobel ist ein kunstvoll gebautes Kugelnest, welches sich leicht mit einem Vogelnest verwechseln lässt. Er wird direkt am Stamm eines Laubbaums oder im oberen Kronenbereich eines Nadelbaums angelegt. Innen ist der Kobel mit Gras Moos, Bastfasern, Haaren und auch Federn ausgepolstert. So hat das Eichhörnchen es immer schön warm und weich in seinem Nest.
In diesem Kobel werden auch die 3 bis 8 Jungen geboren. Die typischen Nesthocker werden fürsorglich von der Mutter aufgezogen und nach etwa 3 Monaten in die Selbständigkeit entlassen. Neben diesem Kobel hat ein Eichhörnchen mehrere andere Schlaf- und Ausruhnester in seinem Revier.
Der Fortpflanzung geht ein interessantes Balzverhalten voraus, welches man in milden Wintern schon ab Dezember beobachten kann. Zwei Eichhörnchen, Männchen und Weibchen, sausen durchs Geäst, der Betrachter spürt die Aufregung der beiden Tiere. Sie stoppen kurz, dann springen sie weiter wie wild hintereinander her.
Es handelt sich dabei um die typischen Verfolgungsjagden während der Paarungszeit. Sie dauert von Dezember bis Juli und wird durch das Eindringen des Männchen (Kater) in das Revier des Weibchens (Katze) eingeleitet. Der Kater jagt die Katze. Dann, während einer kurzen Pause, stellt er sich vor ihr auf. Ist sie noch nicht von ihm überzeugt, geht die Jagd weiter. Schließlich stimmt das Weibchen der Paarung zu, was sie durch ihr gehobenes Hinterteil ausdrückt, und das Paar zieht sich in den Kobel zurück.
Das Eichhörnchen hat wie alle Nagetiere große Schneidezähne, mit denen es seine Nahrung zerkleinert. Diese Nagezähne benutzt es z.B., um Nussschalen zu knacken. Es nagt ein Loch in die Schale, dann steckt es seine unteren Schneidezähne in die Öffnung. Durch einen speziellen Muskel im Unterkiefer spreizt es die Zähne auseinander und die Schale springt auf. Die Technik des Nussknackens muss von den jungen Eichhörnchen erst erlernt werden.
Außer Nüsse fressen Eichhörnchen natürlich noch viele andere Dinge.
Je nach jahreszeitlichem Angebot ernähren sie sich von Knospen, Blüten, Früchten, Obst und Pilzen, die sie vor dem Verzehr in Astgabeln trocknen. Aber auch Insektenlarven, Blattläuse und Heuschrecken schmecken. Gelegentlich nehmen sie ein Vogelnest aus. Die individuellen Fressgewohnheiten eines Eichhörnchens bilden sich unmittelbar nach dem Verlassen des elterlichen Kobels heraus.
Wer noch mehr über das Eichhörnchen wissen möchte, sollte dem Naturhistorischen Museum in Braunschweig noch im Oktober einen Besuch abstatten.
Wiebke Jacobs
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