Tipp des Monats im September 2004:
Neu entdeckt – Eine bisher unbekannter Gecko aus Tunesien

Geckos gehören zu den ältesten und erfolgreichsten Echsengruppen. Heute gibt es fast 1000 Arten von ihnen. Der früheste bekannte fossile Gecko lebte vor ca. 100 Millionen Jahren in der Kreidezeit. Vor 25 Millionen Jahren lebten Geckos auch in Deutschland, wie fossile Geckoeier aus Hessen zeigen.

Die anatomische Besonderheit der Geckos sind die verbreiterten Zehen mit Haftlamellen, die die meisten Arten besitzen. Mit ihnen bewegen sie sich scheinbar mühelos an Baumstämmen, überhängenden Felsen, Zimmerdecken und Glasscheiben.



Neue Art

Über den Haftmechanismus hat man viel gerätselt. Es handelt sich nicht um feuchte Saugnäpfe wie bei Baumfröschen, sondern um trockene, mikroskopisch kleine Borsten, die in Gruppen auf Lamellen an der Unterseite der Zehen angeordnet sind. Diese Borsten haften auf fast allen Oberflächen durch einfache Adhäsion, indem sie sich an die Unebenheiten der Unterlage anpassen. Um den Kontakt wieder zu lösen, rollen feine Muskeln die Haftlamellen auf. Das Prinzip ähnelt dem eines Klettverschlusses.

 Die typischen Geckos sind vor allem in Afrika und Asien zu finden. Die Gattung Tarentola stammt aus Afrika. Ihre größte Artenvielfalt erreicht sie im Nordwesten des Kontinents sowie auf den Kapverdischen und Kanarischen Inseln im Atlantik. In Nordafrika ist wohl ihr Ursprung zu suchen, wahrscheinlich im Tertiär vor ca. 40-50 Millionen Jahren.

 Aus Nordafrika sind heute 7 Tarentola-Arten bekannt; eine achte Art ist der Gegenstand des „Tipp des Monats“ im Naturhistorischen Museum. 

 Auf einer Exkursion mit Studenten wurden 1997 im Nationalpark Bou-Hedma in Zentraltunesien Geckos gefunden, die sich von den bekannten Arten unterscheiden. In der Größe glichen sie den normalen Mauergeckos (Tarentola mauritanica) der Mittelmeerküste. Sie waren aber hell sandfarben wie die Wüsten-Mauergeckos (Tarentola deserti). Diese leben im Südzipfel Tunesiens. Handelte es sich um eine noch unbekannte Art? Um dies herauszufinden, wurde ein Student beauftragt, im Rahmen seiner Diplomarbeit die nordafrikanischen Tarentola zu untersuchen. Er tat dies

-         durch Vergleich der Körpermaße und der Schuppenzahlen, die bei Echsen artspezifisch sind;

-         durch Vergleich der Blutproteine mittels einer Elektrophorese. Dabei werden Blutproben von Geckos in ein elektrisches Feld gebracht.

Ergebnis: Die zentraltunesischen Geckos haben im Blutbild weder mit mauritanica noch mit deserti besondere Übereinstimmungen. Damit ist wahrscheinlich, dass es sich um eine neue, noch unbekannte Art handelt.

Ulrich Joger

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