
Tipp des Monats im Mai 2005:
Wanderheuschrecken
– Wenn die Masse zur Bedrohung wird
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Ende November des vergangenen Jahres machte eine Heuschreckenart besonders auf sich aufmerksam: die Wüstenheuschrecke. In Massen fiel sie auf den Kanaren ein und verdarb dort so manchen deutschen Touristen den Urlaub. Zahlreiche Urlauber nahmen tote Tiere als eine Art Andenken mit nach Hause. Einige Exemplare gelangten so auch nach Braunschweig, genauer gesagt ins Naturhistorische Museum. Sie sind dort der Tipp des Monats im Mai. Eine Serie von überdurchschnittlichen Regenfällen hatte in Nordafrika seit dem Sommer 2003 hervorragende Bedingungen für eine ungewöhnlich große Heuschreckenbrut geschaffen. Seit September 2003 vermehrten sich die Heuschrecken in der Sahelzone auffällig, bis sich schließlich im Oktober 2003 die ersten Schwärme bildeten. Damit begann die gewaltigste Heuschreckenplage in Nordafrika seit 15 Jahren. |
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Während ihrer etwa einjährigen Wanderschaft vernichteten die Heuschrecken Ernten auf einer Fläche von über 120.000 km2. Länder wie Gambia waren so schwer betroffen, dass der Nationale Notstand ausgerufen wurde. Viele der betroffenen Staaten gehören zu den ärmsten der Welt. Die Lebensgrundlage von über 50 % der Bevölkerung hängt dort in erster Linie von der Landwirtschaft ab. Millionen von Menschen sind nun von Hungersnöten bedroht. Im Kampf gegen die Heuschrecken und die Nachwirkungen der Plage wurden international bisher etwa 200 Mio. US-Dollar zur Verfügung gestellt. Ob das reichen wird, ist bis heute unklar. Die Wüstenheuschrecke Schistocerca gregaria gehört zu den Tieren mit den größten Wanderbewegungen. Ihr Vorkommen ist auf die halbtrockenen Savannen und trockenen Wüsten Afrikas, des Nahen Ostens und Südwest-Asiens beschränkt. Während einer Invasionsphase ist ein Gebiet von über 29 Mio. km2 gefährdet. Das ist mehr als 20 % der weltweiten Landoberfläche. Die Heuschrecke kann dabei die Lebensgrundlage eines Zehntels der Erdbevölkerung schädigen. Die oftmals verheerenden Folgen der Massenwanderungen von Wanderheuschrecken sind bereits seit biblischen Zeiten bekannt. Als Plage kennt man sie vor allem in Afrika und Vorderasien. Sie kommen aber auch in Nord- und Südamerika, Australien und Ostasien vor. Die einzige Heuschreckenart, die auch Deutschland bis ins 19. Jahrhundert unregelmäßig in größeren Schwärmen heimsuchte, war die Europäische Wanderheuschrecke Locusta migratoria. Keine andere Art hat den Menschen so gegen Heuschrecken allgemein eingenommen wie sie. Neben dem Auslösen von Hungersnöten wurden die Schwärme auch für die Pest verantwortlich gemacht, da ihr Auftreten teilweise mit dem Aufkeimen der Pest zusammenfiel. Heute ist die Europäische Wanderheuschrecke in Mitteleuropa nahezu ausgestorben. In Südeuropa, Afrika und Asien kommt die wärmeliebende Art jedoch weiterhin vor. Claudia Kamcke |
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