Tipp des Monats im August 2005:
   Hirschkäfer
Kampf der Giganten

Fast jeder „kennt“ ihn, aber kaum einer hat ihn je gesehen. Die Rede ist von unserem größten einheimischen Käfer, dem Hirschkäfer Lucanus cervus. Das imposante Tier ist selten und führt ein „heimliches“ nächtliches Leben. Doch mit ein wenig Glück kann man dem Hirschkäfer auch in der Braunschweiger Region an warmen Sommerabenden begegnen.

Auffälligstes Merkmal der Hirschkäfermännchen ist ihr stark verbreiterter Kopf mit dem „Geweih“.

Bei dem „Geweih“ handelt es sich um stark vergrößerte Mundwerkzeuge (Mandibeln), die nicht mehr für die Nahrungsaufnahme geeignet sind.  Zur Ernährung nutzen ausgewachsene Hirschkäfer ihre pinselartige Zunge. Mit ihr lecken sie Saft aus offenen Baumwunden auf und manchmal auch Flüssigkeiten an reifem Obst.

Zwischen Ende Mai und August, vor allem in den Monaten Juni und Juli, fliegen die dämmerungs- und nachtaktiven Käfer um Baumkronen und sammeln sich an Saftflüssen von Bäumen (v. a. Eichen). Dort führen die Männchen ihre berühmten Zweikämpfe aus. Bei den Kämpfen der Hirschkäfermännchen geht es um Weibchen und Futterstellen. Meist gehen die Kämpfe, die bei gleichstarken Männchen mehrere Stunden dauern können, für den Unterlegenen glimpflich aus. Es handelt sich um so genannte Kommentkämpfe, die nicht den Tod oder die Beschädigung des Unterlegenen zum Ziel haben. Stattdessen soll durch diesen „Ringkampf“ nur das stärkere Tier ermittelt werden, dem das schwächere freiwillig das Feld räumt. Trotzdem kann es durch die enorme Kraft der Mandibeln auch zu Beschädigungen wie abgebrochene Beine oder durchbohrte Flügeldecken kommen, selten auch zum Tod.

Bei den Kämpfen gehen die Männchen mit aufgerichteten, mehr oder weniger stark gespreizten Mandibeln aufeinander los. Nachdem sie sich gegenseitig eingeschätzt haben, versuchen sie sich mit den Mandibeln zu packen. Dabei verhaken sie sich meist ineinander. Jeder der Rivalen hält sich mit seinen Füßen an der Rinde fest und versucht, mit heftigen Kopfbewegungen den anderen von der Rinde loszureißen. Gelingt dies so wird der Gegner mit heftiger Kopfbewegung in die Luft geschleudert. Der Besiegte fällt vom Baumstamm und der Sieger bekommt das Weibchen oder den Zugang zur Futterstelle.

Nach der Paarung erfolgt die Eiablage in die Erde an der Außenseite morscher Baumstubben sowie an Wurzeln lebender Bäume, v. a. an Eichen aber auch an anderen Laubbaumarten. Die Larven entwickeln sich im modernden Holz und benötigen 5-6 selten bis 8 Jahre bis zur Verpuppung. Die Lebenserwartung der erwachsenen Käfer beträgt dagegen nur 3 bis 8 Wochen.

Als Lebensräume werden vom Hirschkäfer alte Eichen- und Eichenmischwälder sowie Buchenwälder mit einem entsprechenden Anteil an Totholz bzw. absterbenden Althölzern in wärmebegünstigter Lage genutzt. Sekundär werden auch alte Parkanlagen, Gärten und Obstplantagen besiedelt.

Claudia Kamcke

 

 

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