Bei dem „Geweih“ handelt
es sich um stark vergrößerte Mundwerkzeuge (Mandibeln), die nicht mehr für
die Nahrungsaufnahme geeignet sind. Zur
Ernährung nutzen ausgewachsene Hirschkäfer ihre pinselartige Zunge. Mit ihr
lecken sie Saft aus offenen Baumwunden auf und manchmal auch Flüssigkeiten
an reifem Obst.
Zwischen Ende Mai und
August, vor allem in den Monaten Juni und Juli, fliegen die dämmerungs- und
nachtaktiven Käfer um Baumkronen und sammeln sich an Saftflüssen von Bäumen
(v. a. Eichen). Dort führen die Männchen ihre berühmten Zweikämpfe aus. Bei
den Kämpfen der Hirschkäfermännchen geht es um Weibchen und Futterstellen.
Meist gehen die Kämpfe, die bei gleichstarken Männchen mehrere Stunden
dauern können, für den Unterlegenen glimpflich aus. Es handelt sich um so
genannte Kommentkämpfe, die nicht den Tod oder die Beschädigung des
Unterlegenen zum Ziel haben. Stattdessen soll durch diesen „Ringkampf“ nur
das stärkere Tier ermittelt werden, dem das schwächere freiwillig das Feld
räumt. Trotzdem kann es durch die enorme Kraft der Mandibeln auch zu
Beschädigungen wie abgebrochene Beine oder durchbohrte Flügeldecken kommen,
selten auch zum Tod.
Bei den
Kämpfen gehen die Männchen mit aufgerichteten, mehr oder weniger stark
gespreizten Mandibeln aufeinander los. Nachdem sie sich gegenseitig
eingeschätzt haben, versuchen sie sich mit den Mandibeln zu packen. Dabei
verhaken sie sich meist ineinander. Jeder der Rivalen hält sich mit seinen
Füßen an der Rinde fest und versucht, mit heftigen Kopfbewegungen den
anderen von der Rinde loszureißen. Gelingt dies so wird der Gegner mit
heftiger Kopfbewegung in die Luft geschleudert. Der Besiegte fällt vom
Baumstamm und der Sieger bekommt das Weibchen oder den Zugang zur
Futterstelle.
Nach der
Paarung erfolgt die Eiablage in die Erde an der Außenseite morscher Baumstubben
sowie an Wurzeln lebender Bäume, v. a. an Eichen aber auch an anderen
Laubbaumarten. Die Larven entwickeln sich im modernden Holz und benötigen 5-6
selten bis 8 Jahre bis zur Verpuppung. Die Lebenserwartung der erwachsenen Käfer
beträgt dagegen nur 3 bis 8 Wochen.
Als
Lebensräume werden vom Hirschkäfer alte Eichen- und Eichenmischwälder sowie
Buchenwälder mit einem entsprechenden Anteil an Totholz bzw. absterbenden
Althölzern in wärmebegünstigter Lage genutzt. Sekundär werden auch alte
Parkanlagen, Gärten und Obstplantagen besiedelt.
Claudia Kamcke