Tipp des Monats im August 2004:
Hornissen – erstaunlich friedfertig


Wer kennt sie nicht, die schwarz-gelb gezeichneten Wespen, die einen in Angst und Schrecken versetzen, wenn sie an schönen Sommertagen die wohlverdiente Ruhe auf dem Balkon oder der Terrasse stören. Dabei sind die meisten der heimischen Arten, zu denen auch die Hornisse gehört, friedliebende Tiere, die an der Kaffeetafel des Menschen nicht interessiert sind.
Der Tipp des Monats August im Naturhistorischen Museum an der Pockelsstraße räumt mit falschen Vorstellungen über das Verhalten der Hornisse und der Wirkung ihrer Stiche auf.

Die Hornisse (Vespa crabro) ist die größte der heimischen Faltenwespen. Sie gehört zu den sozialen Insekten, die Staaten bilden. Diese sind bei den Hornissen einjährig. Nach dem Winter ab Mitte April sucht die Hornissenkönigin einen geeigneten Hohlraum für den Nestbau. Vorzugsweise nistet sie oberirdisch an geschützten Orten, z.B. in hohlen Bäumen, in Nistkästen, auf Dachböden oder in Gartenschuppen. Die erste Nestanlage baut die Königin selbst und zieht auch die erste Brut alleine auf. Die dann schlüpfenden Arbeiterinnen helfen ihr, und je mehr Arbeiterinnen es nach und nach werden, desto mehr kann sich die Königin ausschließlich auf das Eierlegen beschränken.

Um den Eiweißbedarf der Brut zu decken, fangen die Hornissen Insekten. Sie selbst benötigen für ihren Stoffwechsel Kohlehydrate, die sie vorwiegend aus Baumsäften, Nektar, Fallobst oder Honigtau beziehen. Anders als unsere beiden häufigsten Wespenarten, die Deutsche und die Gemeine Wespe, erscheinen Hornissen bei der Nahrungssuche fast nie am Esstisch des Menschen.

Unter günstigen Umständen, bei warmer, trockener Witterung und gutem Nahrungsangebot, kann sich das Hornissenvolk stark vermehren und beherbergt auf dem Höhepunkt der Entwicklung im August/September 500-700 Tiere, gelegentlich auch über 1.000. Das Nest kann dann eine Größe von 30 x 60 cm erreichen. Meist fallen die Völker erst in dieser Zeit dem Menschen durch den dann regen Flugverkehr auf. Zu diesem Zeitpunkt ist das Absterben jedoch nicht mehr weit. Im Spätsommer schlüpfen nur noch Männchen und wenig später die Jungköniginnen. Die Paarung findet auf Balzplätzen statt. Danach stirbt das ganze Volk spätestens im Oktober/ November, bis auf die dann begatteten Jungköniginnen ab, die an geschützten Orten z.B. unter Laub oder in Erdlöchern einzeln überwintern, bis sie im nächsten Frühjahr mit der Gründung eines neuen Volkes beginnen können. Das alte Nest wird nicht wieder besiedelt.

Reduzierte Nistmöglichkeiten in hohlen Bäumen und weniger Beuteinsekten u.a. durch intensivierte Landwirtschaft haben den Hornissen das Überleben schwer gemacht; sie sind selten geworden. Der flächenhafte Rückgang der Populationen hat dazu geführt, dass sie seit 1987 in die Bundesartenschutzverordnung aufgenommen wurden. Sie genießen somit besonderen gesetzlichen Schutz, und selbst eine Umsiedlung bedarf einer Genehmigung durch die Naturschutzbehörde.

Mehr über das Leben der Hornissen, ob etwas an Aussagen wie „sieben Hornissenstiche töten ein Pferd und drei einen Menschen“ dran ist und wie sie sich im Falle eines Hornissennestes in ihrer Nähe verhalten können, erfahren sie an der Tipp-Säule im Naturhistorischen Museum.

 

Claudia Kamcke

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