Insekten

Die Insekten haben wie keine andere Tiergruppe eine unermessliche Arten- und Formenfülle hervorgebracht. Sie haben alle Landlebensräume besiedelt und sind mit einer erheblichen Anzahl von Arten besonders in den Larvenstadien auch ins Süßwasser eingedrungen.
Die meisten Insekten haben ein oder zwei Paar Flügel ausgebildet, die ihnen Möglichkeiten zur Flucht, Artverbreitung, Geschlechter- und Nahrungssuche eröffnen, wie sie sonst nur Vögel und Fledermäuse ausnutzen können. Die Mundwerkzeuge der Insekten wurden im Laufe der Stammesgeschichte in mannigfacher Weise umgeformt, sodass sehr verschiedenartige Werkzeuge für die Ausnützung ungemein zahlreicher Nahrungsquellen bei ihnen vorkommen.


Verständigung bei sozialen Insekten

Die Honigbiene ist das Musterbeispiel für Verständigung im Tierreich überhaupt. Im Laufe der Stammesgeschichte hat sich bei ihr eine Tanzsprache entwickelt, mit der Stockgenossinnen ohne Geleit zu einem entfernten Ziel geschickt werden können - eine Verständigungsleistung, wie sie von keiner anderen Tierart erreicht wird. Diese Entdeckung verdanken wir Prof. Dr. KARL v. FRISCH (1886-1982). Im Wesentlichen für diese Entschlüsselung der Tanzsprache der Bienen wurde ihm 1973 der Nobelpreis verliehen.


Braunschweiger Bienentanzuhr

Die 1977 im Museum entwickelte Braunschweiger Bienentanzuhr ermöglicht es auf einfache Weise, gerade den wunderbarsten Teil der Bienensprache, den Schwänzeltanz, zu verstehen und die Lage der Futterquelle, die eine vor den Augen des Besuchers tanzende Biene anzeigt, auf einem Stadtplan ausfindig zu machen.Dadurch, dass der Besucher sie selbst bedienen und gleichzeitig einen lebenden Vorgang beobachten kann, wird sein Interesse besonders geweckt und ihm dadurch die hochspeziallsierte Verständigungsleistung unserer Honigbiene nähergebracht.



Zur Bienentanzuhr


Ameisen

Die Kleine Rote Waldameise ist unsere forstwirtschaftlich nützlichste Ameisenart. In einer Kolonie können mehrere Hundert eierlegende Königinnen mit den dazugehörigen Arbeiterinnen leben. Zur Winterruhe zieht sich das Ameisenvolk in die tieferen Nestschichten zurück. Dieses naturgetreue Modell einer Nestanlage zeigt in originaler Größe den Hügel, das Erdnest, den Sandauswurf am Hügelrand und den typischen Fichtenstock im Zentrum - die Keimzelle der ganzen Anlage.


Insekten im Wald

Insekten spielen im Stoffkreislauf des Waldes eine bedeutende Rolle. In den Nahrungsketten und damit in der gesamten Nahrungspyramide sind sie unersetzliche Glieder und helfen bei artenreicher Zusammensetzung entscheidend, das biologische Gleichgewicht zu stabilisieren. Insekten fressen Blätter und Nadeln, befallen Äste und Stämme und helfen schließlich beim Abbau alten Holzes. Bei Massenvermehrungen vor allem in unseren forstlichen Monokulturen können dabei bedeutende Schäden entstehen. Besonders bekannt ist der Buchdrucker. An seinem charakteristischen Fraßbild unter der Rinde kann man Interessantes über die Lebensweise des Käfers und seiner Nachkommen ablesen.






Insekten der Wasseroberfläche

Die Wasseroberfläche unserer Binnengewässer stellt einen Lebensraum ganz besonderer Art dar - einen Lebensraum zwischen Wasser und Luft. Durch die Oberflächenspannung des Wassers entsteht ein sog. Oberflächenhäutchen, das für geringe Gewichte tragfähig ist. Mikroorganismen wie Einzeller, Pilze, Algen und Bakterien entwickeln sich auf und unter der Oberfläche des Wassers oft so stark, dass sie eine zusammenhängende Kahmhaut bilden. Von ihr ernähren sich u.a. spezialisierte Kleinkrebse, die die Wasseroberfläche von unten abweiden. Bekannt sind vor allem die größeren hier lebenden Insekten wie die Wasserläufer, die Rückenschwimmer und die Taumelkäfer. Sie werden in 40fach linear vergrößerten Modellen, die im Museum angefertigt wurden, gezeigt, um damit auf den wenig bekannten Lebensraum der Wasseroberfläche aufmerksam zu machen, der bei seinen Besiedlern eine Reihe besonderer Anpassungen hervorgerufen hat.


Lauterzeugung und Gehör

Insekten erzeugen ihre Laute mit den Flügeln, Beinen, Mundwerkzeugen oder auf andere Weise - auf jeden Fall tun sie es anders als wir Menschen mit unseren Stimmbändern, denn Insekten haben keine Lungen und können daher keine Stimmbänder mit ausströmender Luft in Schwingungen versetzen. Insekten haben jedoch ein hartes Außenskelett, den Chitinpanzer, der sich durch Reibung seiner Teile aneinander besonders zur Schallerzeugung eignet. Mit Hilfe einer Tonbandanlage kann sich der Besucher die Gesänge von Feldgrille, Maulwurfsgrille, einer Laubheuschrecke, einer Feldheuschrecke und einer Singzikade anhören.


Der Stereomikroskoptisch

Besonders beliebt ist der Stereomikroskoptisch, eine Eigenkonstruktion des Museums. Über 100 Präparate von Insekten können hier in 10 - 40facher linearer Vergrößerung betrachtet werden, wobei die Volumina dann natürlich 1.000 - 64.000fach vergrößert erscheinen. Damit kann man einen tiefen Einblick in die Körperstrukturen von Insekten nehmen, die Schuppen, Haare und Borsten eines Schmetterlings bewundern, den Giftstachel einer Honigbiene betrachten oder Flöhe, Wanzen und Läuse studieren.
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