Tipp des Monats im Februar 2003:
Der Sandlaufkäfer
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Ein gefährlicher Beutegreifer


Geht man aufmerksam über offene Sandflächen, etwa in der Lüneburger Heide, so kann man manchmal 10 bis 15 mm große Käfer entdecken, die sich ungewöhnlich verhalten. Sie lassen den Beobachter auf wenige Schritte herankommen, fliegen dann auf, landen aber nur einige Meter entfernt wieder. Nähert man sich erneut, wiederholt sich das Spiel. Es sind Sandlaufkäfer. Sie sind gefährliche Jäger für ihre Beutetiere.

Sandlaufkäfer bewohnen – wie ihr deutscher Name sagt – offene, sandige Flächen. Man findet sie in der Heide, in Sandgruben, an den Ufern von Seen und Flüssen und am Meeresstrand.
Bei näherer Betrachtung fallen die großen Augen und kräftigen Oberkiefer mit den großen Zähnen auf. Sandlaufkäfer jagen am Tag. Mit ihren großen Augen erspähen sie ihre Opfer, stürzen sich im Laufen auf sie und ergreifen sie mit den kräftigen Oberkiefern. Die Beute wird mit den Mundwerkzeugen zerkleinert und vor dem Mund vorverdaut. Dann wird der Nahrungsbrei aufgesogen. Sandlaufkäfer fressen alles, was sie überwältigen können, wie Ameisen, kleine Lauf- und Blattkäfer, aber auch Fliegen.



Foto Ulrich Groß

Im Frühjahr paaren sich die Sandlaufkäfer. Das Weibchen gräbt ein kleines Loch in den Sandboden und legt nur jeweils ein Ei dort ab. Die schlüpfende Larve erweitert das Loch zu einer senkrechten Wohnröhre von 10 bis 40 cm Länge.

Auch die seltsam aussehende Larve ist ein gefährlicher Räuber. Auffällig an ihr sind die riesigen Kiefer und am Rücken Krallen zum Festhalten an der Höhlenwand. Sie benutzt ihr Hinterleibsende zum Hochstemmen in der senkrechten Röhre und lauert im oberen Teil der Röhre auf Beute. Ihre 6 kleinen Punktaugen sind so ausgerichtet, dass sie die Umgebung gut überblicken kann. Für ihre Beute bleibt die Larve unsichtbar. Nähert sich ein Beutetier, schnellt die Larve aus ihrer Röhre heraus und ergreift ihr Opfer mit den kräftigen Kiefern. Dann zieht sie sich in die Wohnröhre zurück, um dort zu fressen.

Die Entwicklung eines Sandlaufkäfers dauert mindestens 2 Jahre. Es gibt 3 Larvenstadien. Nach jeder Häutung ist die Larve etwa um die Hälfte größer. Im Spätsommer des 2. Jahres verpuppt sich die Larve im Boden. Der daraus schlüpfende Käfer überwintert und gräbt sich im nächsten Frühjahr an die Oberfläche 

Alle Sandlaufkäfer stehen unter Naturschutz. Von den 8 Arten Deutschlands waren 6 Arten in Niedersachsen heimisch. Während der grüne Feld-Sandlaufkäfer (Cicindela campestris) und der braune Dünen-Sandlaufkäfer (Cicindela hybrida) noch häufig anzutreffen sind, ist der Deutsche Sandlaufkäfer (Cylindera germanica), ein Kulturflüchter, bei uns schon ausgestorben

Mehr über die auffälligen Jäger kann man im Naturhistorischen Museum beim „Tipp des Monats“ erfahren. Gezeigt werden dort auch viel größere und buntschillerndere Sandlaufkäfer der Welt.

 

Helfried Wölkerling

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