Tipp des Monats im Mai 2001: Der Maikäfer



‚Jeder weiß, was so ein Mai-
Käfer für ein Vogel sei.
In den Bäumen hin und her,
fliegt und kriecht und krabbelt er.’

Diese Worte von Wilhelm Busch sind wohl
nicht nur Freunden von ‚Max und Moritz’ ein Begriff.
Maikäfer waren immer schon bekannte
und allgegenwärtige Tiere.
In den 1970er Jahren sang Reinhard Mey dagegen
„Es gibt keine Maikäfer mehr...“.
Aber - der Maikäfer ist nicht ausgestorben.
Im Gegenteil !


In Hessen und Baden-Württemberg konnten in den Jahren 1997/1998 wieder vermehrt Maikäfer beobachtet werden. Die Forstämter sind alarmiert. Im Rhein-Main-Gebiet haben die Eichen wegen ihres frühen Austriebs einen besonderen Stellenwert, da sie die ersten Fraßpflanzen sind, die zur Verfügung stehen. Schäden entstehen vor allem durch den Fraß der Engerlinge an den Wurzeln der Waldbäume. Junge Larven ernähren sich von zarten Wurzelfasern, später benagen sie Wurzeln aller Art.
Wie aber findet der Engerling die Wurzeln in der Dunkelheit? Der Engerling besitzt keine Augen. Aber er nimmt mit seinem ausgezeichneten Geruchssinn winzige Spuren von Kohlensäure wahr, die aus den Wurzeln ausströmt Ist der Maikäfer geschlüpft, fliegt er Suchspiralen und verschafft sich dadurch einen überblick über Nahrungsquellen. Mit den Facettenaugen registriert er den höchsten Punkt am Horizont und steuert diesen geradlinig an. Verwechslungen mit Gebäuden sind ausgeschlossen, da die fächerförmigen Antennen hervorragende Riechorgane sind. So finden sich in manchen Jahren massenweise Maikäfer in Eichenwäldern. Auf der Oberfläche der fächerförmigen ‚Blättchen’ sind viele einzelne mikroskopisch kleine Sinnesorgane, über die Maikäfer Gerüche wahrnehmen können. Damit erkennen sie Futterquellen, die sie schnell und wiederholt aufsuchen.
In der Vergangenheit wurden Maikäfer in solchen Flugjahren stark bekämpft. Man sammelte sie gezielt ab und verfütterte sie als willkommene Abwechslung an Hühner, Schweine und Fische. Im Mittelalter wurden 1320 Maikäfer dazu verurteilt, innerhalb von 3 Tagen ein mit Tafeln gekennzeichnetes Feld zu verlassen. Erst nach Ablauf dieser Frist galten sie als vogelfrei. Sogar Bischöfe zogen los, um die blattfressenden Maikäfer zu exkommunizieren.
Aber auch für den Menschen spielten Maikäfer eine Rolle in Notzeiten. Der Geheime Medizinalrat Dr. Schneider schwärmte 1844 geradezu von der Maikäfersuppe: Wohlschmeckend und mineralstoffreich, ihr Geruch ist angenehm, ihre Farbe bräunlich... Roh dienten Maikäfer im 18. / 19. Jahrhundert als Aphrodisiakum. Manche wurden auch in Honig eingemacht oder überzuckert vernascht. In der heutigen Zeit sind Schokoladen-Maikäfer sicher beliebter bei ‚Naschkatzen’.

Kirstin Kuczius


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