Tipp des Monats im Dezember 2005:
Mangrovenkrabben
Flinke Kletterer mit Rundumblick

Das Aquarium des Naturhistorischen Museums ist ein besonderer Anziehungspunkt für die Besucher, denn hier können lebende Tiere beobachtet werden. Allerdings verstecken sich einige Tiere tagsüber und werden so leicht übersehen wie z.B. die Rote Mangrovenkrabbe. Sie ist eine entfernte Verwandte der allseits bekannten Strandkrabbe. Zusammen mit Hummer, Flusskrebs, Garnele und Asseln gehört sie zur Gruppe der Krebstiere.

Ihren Namen verdanken sie ihrem natürlichen Lebensraum, den Mangrovenwäldern. Die Heimat der auch bei Aquarianern beliebten Tiere liegt in den Gezeitenzonen tropischer und subtropischer Küsten, vor allem in Bereichen großer Flussmündungen und dort, wo die Brandung durch Inseln oder Korallenriffe gebremst wird. In solchen Brackwassergebieten wachsen häufig Mangrovenbäume, die mit ihren Stelz- und Atemwurzeln an den ständigen Gezeitenwechsel und den sauerstoffarmen Schlickboden dieses Lebensraumes angepasst sind.

Mangrovenkrabben können sowohl im Wasser als auch an Land atmen. Mit Hilfe von Kiemen nehmen sie Sauerstoff aus dem Wasser auf. Mittels eines selbst erzeugten Wasserstroms auf der Körperoberfläche funktioniert diese Atemmethode auch bei kurzen Landgängen. Bleibt die Krabbe aber längere Zeit an Land, so kann sie bei ausreichend hoher Luftfeuchte auch über spezielle dünne Stellen in ihrem Panzer Atemluft aufnehmen.

Krabben sind im Wasser und an Land gleichermaßen recht flink. Sie wechseln mitunter so schnell den Aufenthaltsort, dass wir mit unseren Augen kaum folgen können. Mangroven­krabben sind zudem auch gute Kletterer. Dafür sorgen besondere Krallen an den Beinen sowie winzige Borsten, die der Krabbe Halt selbst auf den rutschigen Ästen und Wurzeln der Mangroven geben. Damit haben die Tiere die Möglichkeit, sich vor Fressfeinden aus dem Wasser in Sicherheit zu bringen.

Wie Insekten haben auch Krebstiere Komplexaugen, die bei den Krabben zusätzlich noch auf Stielen sitzen und einzeln bewegt werden können. So hat das Tier nicht nur eine komplette Rundumsicht, der gepanzerte Träger kann außerdem wie mit einem Sehrohr aus dem Wasser schauen, ohne seine Deckung zu verlassen. Bei Kletterpartien im felsigen Ufer können die Stielaugen zum Schutz seitlich eingeklappt werden.

Die nur wenige Zentimeter großen Mangrovenkrabben verteidigen ihr Territorium aber auch wirkungsvoll gegen Artgenossen und Artfremde. Mit ihren Scheren sind sie ein ernstzu­neh­mender Gegner. Verletzen sich Krabben gegenseitig beim Kampf um ein Wohngebiet oder verlieren sie dabei sogar eines ihrer Beine, kann dies aber nach und nach bei den regel­mäßigen Häutungen wieder hergestellt werden.

Was Krabben von Garnelen, englisch shrimps, unterscheidet, wieso diese in den Mangroven­gebieten Konkurrenten sind sowie mehr Wissenswertes über die Mangrovenkrabbe und ihren Lebens­raum, die Mangrovenwälder, erfahren Sie an der Tipp-Säule des Natur­histori­schen Museums. Im Aquarium können die Tiere mit etwas Geduld natürlich auch beobachtet werden.

 

Martina Bünnige

 

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