Tipp des Monats im Dezember 2001: Die Rabenkrähe - wirklich ein Galgenvogel?



Die Rabenkrähe Corvus corone corone gehört zur Gattung der Raben und Krähen. Diese Vögel zeichnen sich durch ein ausgeprägtes Sozialverhalten und durch eine intensive Brutpflege aus. Die Jungen werden auch nach dem Flüggewerden noch weiter von ihren Eltern gefüttert und umsorgt, was oft erst zu Beginn der nächsten Brutsaison ein Ende hat. Da die Eltern sogar aus dem Nest gefallene Junge füttern und vor Feinden schützen, trifft der sprichwörtliche Begriff der ‚Rabeneltern’ für die Rabenkrähe eigentlich nicht zu.

Ihre in Verhaltensexperimenten nachgewiesene hohe Intelligenz zeigt sich im Sozialverhalten und vor allem bei der Nahrungsbeschaffung. So wird berichtet, dass Rabenkrähen fremde Nester regelrecht auskundschaften und genau dann plündern, wenn diese nicht besetzt sind. Unnötige Störungen des Brutgeschäftes durch neugierige Vogelliebhaber können auf diese Weise indirekt zur Vernichtung der Brut der verscheuchten Eltern führen.
Zu 'heidnischen' Zeiten wurden Raben von vielen Stämmen und Völkern (Indianer, Germanen, Perser) als Götter oder deren Begleiter verehrt. Bereits die Juden bezeichneten die Rabenvögel als unrein, da sie sich auch von Aas ernähren. Im christlichen Glauben wurden sie dann sogar zu Vögeln der Hexen und des Teufels.

Der Ausdruck ‚Galgen- oder Totenvogel‘ stammt aus dem frühen Mittelalter. Er geht darauf zurück, dass Rabenvögel Erhängte als Nahrung zu schätzen gelernt hatten und sich in Folge dessen oft in der Nähe von Galgenbäumen aufhielten. Der sich daraus entwickelte Aberglaube ging teilweise so weit, dass die einfachen Leute fürchteten, sterben zu müssen, wenn sich eine Krähe oder ein Rabe in ihrer Nähe aufhielt!
Den Rabenvögeln wurden aber auch positive Dinge nachgesagt: Von der Antike an bis hin zum heutigen Volksglauben gelten sie als zuverlässige Wetterpropheten. Den Wikingern dienten sie als Wegweiser während gefährlicher Seefahrten. Auch sollen Raben nach Legenden schon Mörder entlarvt und sich als Rächer von Mordtaten hervorgetan haben.
Die Verbindung zum Teufel hat den Rabenvögeln im Mittelalter übel mitgespielt: Man verfolgte sie und hängte sie sogar zur 'Abschreckung des Bösen' an Häusern und Ställen auf. Aber auch heute noch haben viele Menschen eine Abneigung gegen diese wunderschönen und majestätischen Vögel, über die Sie im Naturhistorischen Museum noch weitere interessante Dinge erfahren können.


Deike Schubert

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