Tipp des Monats im Januar 2001: Das Rotkehlchen




Dick aufgeplustert sitzt das Rotkehlchen
auf einem Ast im verschneiten Park.
Es gibt kaum einen Menschen,
der sich nicht an einem Rotkehlchen erfreut.
Das Aussehen dieses kleinen Vogels
weckt in uns den Beschützerinstinkt.
Aber ist es auch dasselbe Rotkehlchen,
das wir schon den ganzen Sommer
bei uns beobachten konnten?

Rotkehlchen besiedeln ein Brutgebiet, das vom Polarkreis bis in die Subtropen reicht. Rauhe Landschaften verlassen sie im Winter als Zugvögel, in milderen Gebieten bleiben sie als Standvögel das ganze Jahr. In unserer Gegend können beide Alternativen aufeinandertreffen. Ein Teil „unserer“ Rotkehlchen bleibt da, ein Teil überwintert im südlichen Europa. Zu unseren Rotkehlchen gesellen sich auch einige Wintergäste aus dem Norden dazu. Genügend Schutz und Nahrung finden sie nur in einem eigenem Revier.
Rotkehlchen behaupten ihre Reviere zunächst mit Gesang. Auch im Winter ist er zu hören. Ganz verhalten mit fast geschlossenem Schnabel sitzt das Rotkehlchen im Geäst und verkündet seine Anwesenheit. Im Unterschied zu vielen anderen Singvögeln singen beim Rotkehlchen auch die Weibchen. Sie behaupten damit ihre eigenen Reviere, vor allem im Herbst und Winter. Dringt ein Fremder ein, wird er oft mit Gesang empfangen, der nicht als Willkommensgruß gedacht ist. Nützt das nichts, geht der Revierinhaber zu unmissverständlichem Drohverhalten über. Selbst eine Attrappe mit rotem Brustgefieder löst bei einem Revierbesitzer aggressives Verhalten aus.
Im Winter ist das Gefieder dick aufgeplustert. Zwischen den Federn liegt ein Luftpolster, das eine zusätzliche Isolation gegen die Kälte bietet. Rotkehlchen kauern sich zu einem kugeligen Federball zusammen. Dort hat die eisige Luft nur wenig Angriffsfläche. Der relativ große Kopf mit den großen dunklen Augen und die etwas pummelige Gestalt entsprechen den Kriterien des „Kindchenschemas“. Kein Wunder, dass Rotkehlchen gern gesehene Gäste an Futterstellen sind. Geriebenem Talg mit Kleie oder Mehlwürmern können auch sie nicht widerstehen. Aber man wird die Einzelgänger nie zu mehreren an der Futterstelle beobachten können.
Rotkehlchen finden Nahrung am Boden, im Gebüsch, auf Bäumen, ja sogar auf der Wasseroberfläche. Durch diese Vielseitigkeit können sie sich auch in schlechten Zeiten gut an das karge Angebot anpassen. Im Frühling und Sommer sind Insekten und deren Larven, Spinnen, kleine Würmer, Schnecken, kleine Fischchen und Kaulquappen die Hauptnahrung. Im Spätsommer, Herbst und Winter sind Beeren von Schneeball, Holunder, Feuerdorn, Efeu, Faulbaum und andere Früchte beliebt. Die Beeren des Pfaffenhütchens wurden deshalb früher als „Rotkehlchenbrot“ bezeichnet. Gartenbesitzer können mit solchen Pflanzen kleine Lebensinseln für das Rotkehlchen im Winter schaffen. Und für sich selbst hervorragende Beobachtungsplätze !


Kirstin Kuczius

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