Tipp des Monats im Oktober 2004:
   Schwämme –
Neue Heilmittel aus der "Blauen Apotheke"


Auf der Suche nach natürlichen Wirkstoffen (Naturstoffen) erweist sich das Meer als wahre Fundgrube. Besonders Schwämme erregen die Aufmerksamkeit der Wissen-schaftler: Die Hälfte der jährlich ca. 750 in marinen Lebewesen neu entdeckten Substanzen werden in Schwämmen gefunden.
Der Tipp des Monats Oktober im Naturhistorischen Museum stellt den „Wirkstoff-lieferant Schwamm“ näher vor und erklärt warum gerade Schwämme ein so hohes Naturstoffpotential besitzen.

Seit 1997 haben sich
in Deutschland   51 Forschergruppen gebildet, die sich derzeit zu 7 Verbundprojekten zusammen-geschlossen haben, um das Naturstoffpotential der Schwämme zu erforschen. Unterstützt werden sie dabei vor allem vom Bundesministerium für Forschung und in zunehmendem Maße auch von der Industrie. Zwischenzeitlich sind mehrere 100 verschiedene Naturstoffe aus Schwämmen bekannt. Das Wirkspektrum reicht von antibakteriell und entzündungshemmend bis hin zu zelltötend (Krebszellen) und virenhemmend. Einige Substanzen aus Schwämmen befinden sich bereits in der klinischen Prüfung, überwiegend als Krebsmedikamente.

 


Arktischer Hornschwamm

Die Schwämme stellen die ursprünglichsten vielzelligen Organismen dar. Die ältesten Belege Ihrer Existenz stammen aus dem Präkambrium vor rund 600 Mio. Jahren. Bekannt sind etwa 7.500 lebende Vertreter, die im Tierstamm Porifera, was so viel wie „Poren tragend“ bedeutet, zusammengefasst werden.

Heute sind Schwämme in allen von Wasser beherrschten Lebensräumen verbreitet, von marinen Seichtwassergebieten bis in die tiefsten Ozeangräben, sowie im Süßwasser aller Kontinente außer der Antarktis.

Eine fast unüberschaubare Anzahl von Erscheinungsformen zeichnet diese Gruppe aus. So können Schwämme als dünne Krusten ausgebildet sein oder über eine schlauch-, becher- oder trichterförmige Gestalt zu einer beachtlichen Größe heranwachsen. Baum-, geweih- und strauchartige Formen sind ebenso keine Seltenheit. Neben der Gestaltsvielfalt sind die kräftigen Farben – rot, gelb, orange, weiß oder seltener blau – der Schwämme auffallend.

Schwämme sind aber auch Lebensräume für andere Organismen. In ihren Hohlräumen leben einige Tiergruppen, wie zum Beispiel Schlangen-, Haarsterne und Borstenwürmer. Fast immer sind Schwämme von Bakterien und einzelligen Organismen besiedelt.

Mehr über Schwämme, den weiten Weg vom Schwamm zum Medikament sowie Probleme die sich dabei ergeben, erfahren sie an der Tipp-Säule im Naturhistorischen Museum.

 

Claudia Kamke

 

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