Tipp des Monats im April 2006: Seehunde – Unterwasserjäger mit Kulleraugen


Die Dioramen im Naturhistorischen Museum sind eine besondere Besucherattraktion, und das Seehund-Schaubild zählt zu den beliebtesten der 29 Darstellungen von Tierpräparaten in ihrem natürlichen Lebensraum. Seehunde sind die diesjährigen „Wildtiere des Jahres“. Aus diesem Anlass gibt es an der Tipp-Säule des Natur­historischen Museums aktuelle Informationen zu den Meeresraubtieren mit den Kulleraugen.
Noch bis ins 20. Jahrhundert hinein wurden Seehunde als Nahrungskonkurrenten verfolgt. Die Bejagung des Seehunds wurde in Deutschland erst in den 1970er Jahren verboten.

Nach kurzfristiger Erholung des Bestands führten dann zwei schwere Staupe-Epidemien erneut zu drastischem Rückgang der Seehundzahlen. Heute leben über14.000 Seehunde an der niederländischen, deutschen und dänischen Nordseeküste.
Seehunde gehören zu den Hundsrobben und sind ausdauernde Schwimmer und Taucher. Ihr Körper mit seiner Strom­linien­form und den kurzen, kräftigen Flossen ist bestens dafür geeignet. Auch ihre Augen sind auf die Lichtbrechung im Wasser eingestellt, und mit Hilfe ihrer Barthaare könne sie sogar bei schlechter Sicht Beute machen. Erwachsene Tiere fressen pro Tag bis zu 5 kg Fisch. Sie jagen bei Flut nach Plattfischen wie Schollen und Flundern, Jungtiere bevorzugen Garnelen und kleinere Fische.
Seehunde sind durch ihre Körpermasse mit dicker Speckschicht – dem Blubber – gegen die Auskühlung im Wasser bestens geschützt. An Land, zumal im Sommer, droht ihnen eher die gefährliche Überhitzung. Aber Robben verfügen über sogenannte Thermofenster. Dies sind Hautstellen, die durch stärkere Durchblutung über der isolierenden Speckschicht mehr Wärme an die Umgebung abgeben können. Dass die Durchblutung nicht gleichmäßig gesteigert wird, hat seinen Grund: Bei örtlich besonders erhöhter Temperatur funktioniert das auf dem Fell verdunstende Wasser zusätzlich als Kühlmittel.
Im Gegensatz zu anderen Meeressäugetieren wie Walen verbringen Robben nicht das ganze Jahr im Meer. Die Jungen werden zwischen April und Juli auf abgelegenen Sandbänken geboren. Die Jungen können zwar sofort nach der Geburt schwimmen, werden aber an Land gesäugt und liegen oft alleine auf dem Strand, während die Mutter auf Fischzug geht. Auch die Alttiere brauchen eine Ruhepause an Land. Vor allem durch die Wärme und das UV-Licht wird das Wachstum des Haarkleides angeregt und so der der anstrengende Fellwechsel erleichtert.
Im Diorama des Naturhistorischen Museums ist das Jungtier in der sicheren Nähe seiner Mutter. Was es bedeuten kann und was zu tun ist, wenn man ein Seehundbaby allein am Strand findet, was ein Heuler ist und welche anderen Meeressäuger es an unseren Küsten gibt, darüber informiert der Tipp des Monats im Naturhistorischen Museum.

 

Martina Bünnige

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