Tipp des Monats im Oktober 2003:

Gemeinschaft ist alles -
Termiten und andere staatenbildende Tiere

Dass es staatenbildende Insekten gibt, ist bekannt. Termiten, Ameisen, Bienen und Wespen beispielsweise bilden große Völker, in denen es verschiedene Kasten gibt, die ganz bestimmte Aufgaben erfüllen. Kaum vorstellbar dagegen ist, dass auch Säugetiere in derartigen Gemeinschaften leben. Der Tipp des Monats lädt ein, neben staatenbildenden Insekten auch ein solches Säugetier kennen zu lernen.'

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Zu sehen sind diese Tiere nur selten. In ihrer ostafrikanischen Heimat zeugen ab und zu kleine Erdfontänen von ihrer unterirdischen Existenz. In selbstgegrabenen Gangsystemen hausen dort kleine, etwa 8-9 cm lange, fast nackte Nagetiere: die Nacktmulle (Heterocephalus glaber).

Nacktmull

Sie bilden Gemeinschaften, die aus 70-80 Tieren bestehen, denen – ähnlich wie in einem Insektenstaat – ein Königin voransteht. Die Königin ist das größte und aggressivste Tier und das einzige Weibchen, das sich fortpflanzt. Ihr zur Seite stehen einige wenige fortpflanzungsfähige Männchen. Alle anderen Staatsbürger sind Arbeiter: Die Jüngsten und Kleinsten halten die Gänge sauber, bauen Nester und suchen nach Knollen und Wurzeln. Die etwas Größeren graben als „Bau-Kolonnen“ neue Gänge. Die Kräftigsten verteidigen die Gemeinschaft gegen Feinde wie z.B. eindringende Schlangen.

Die Nacktmull-Königin herrscht rüde über ihren Staat. Auf ständigen Kontrollgängen ruft sie ihre Untertanen zur Ordnung und verteilt Stöße und Püffe. Der dauernde Stress verhindert, dass bei anderen Weibchen die Eierstöcke ausreifen. Erst wenn die Königin stirbt, werden auch die anderen Weibchen geschlechtsreif – allerdings nur so lange, bis sich eine neue Königin durchsetzt und die Fruchtbarkeit ihrer Mitgenossinnen durch königlich schikanöses Verhalten erneut „abschaltet“.

So ungewöhnlich wie die Lebensweise ist auch das Aussehen der Nacktmulle, das Spötter mit einem „eingeschrumpften Säbelzahn-Würstchen“ vergleichen. Der Tipp des Monats klärt darüber auf, inwieweit die körperlichen Merkmale als Anpassung an die unterirdisch-grabende Lebensweise zu verstehen sind. Weil man sich an Nacktmullen kaum satt sehen kann, gibt es neben einem Nacktmull-Modell auch ein kleines Bilderalbum. Zu sehen ist der Tipp über die staatenbildenden Tiere noch bis einschließlich Dezember.

 


Isabell Ziekur

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