Tipp des Monats August          Zum Archiv

Der Wiesenknopf-Ameisenbläuling – ein Feuchtwiesenbewohner mit erstaunlichem Lebenslauf

Auf den ersten Blick ist der kleine braune
Falter recht unscheinbar, nur bei den Männchen schillern die Flügel bläulich. Umso gefährlicher und komplizierter ist das Leben des Wiesen- knopf-Ameisenbläuling (Glaucopsyche nausithous). Während seiner Entwicklung ist er auf zwei Dinge ganz besonders angewiesen, auf eine bestimmte Ameisenart und auf eine Pflanzenart.



Ein Weibchen legt im Juli/ August bis zu 500 Eier an die Blüten des Großen Wiesenknopfes (Sanguisorba officinalis)
ab, einer charakteristischen Pflanze feuchter Wiesen. Nach acht Tagen schlüpfen die Raupen, die sich nun von
den Blüten ernähren. Nach drei Häutungen klettern die Raupen ab Ende August von der Pflanze auf den Boden. Kommt nun eine Knoten-Ameise (Myrmica rubra) vorbei, hat die Raupe Glück gehabt. Dank einer Duft-Tarnkappe und eines süßlichen Sekrets, das sie an die Ameise abgibt, wird sie kurzerhand von ihr „adoptiert“ und in das Nest getragen. Kommt hingegen eine andere Ameisenart vorbei, so wirkt die Dufttarnung der Raupe nicht und sie wird gefressen.

Im Nest füttern jetzt die Knoten-Ameisen die Raupe und beschützen sie vor möglichen Feinden. Im Gegenzug gibt sie immer wieder zuckerhaltiges Sekret an die Ameisen ab. Die Fütterung durch die Ameisen allein reicht der Raupe jedoch nicht zur Weiterentwicklung. Bis zu ihrer Verpuppung ernährt sich die Raupe daher zusätzlich von ca. 600 Ameisenlarven.

Nachdem sie den Winter im Ameisennest verbracht hat, verpuppt sich die Raupe im Frühjahr. Gefährlich wird es dann Anfang Juli, beim Schlüpfen des Schmetterlings, denn nun besitzt er keine Dufttarnung mehr. Sein einziger Schutz vor den Ameisen besteht nun aus einem dichten Schuppenkleid. Schnell krabbelt der Falter aus dem Ameisennest. An der Oberfläche spannt er die noch weichen Flügel zum Trocknen und Aushärten auf. Sobald wie möglich schwingt er sich in die Lüfte um einen Großen Wiesenknopf zu finden, mit dessen Nektar er seinen Hunger stillt. Hier findet der Schmetterling auch einen Partner für die Paarung und der Zyklus beginnt von neuem.

                                                                                                             Verena Traxel