Tipp des Monats August                 Zum Archiv

Buntbarsche aus dem Malawisee –
schön und erfolgreich


Im Aquarium des Naturhistorischen Museums gibt es wieder Neues zu entdecken. Eines der im Zuge des Umbaus neu gestalteten Becken beherbergt nun Buntbarsche aus dem Malawisee. Sie schillern in Kanariengelb bis Königsblau, dazwischen gibt es alle denkbaren Übergänge, oft verziert mit Punkten, Streifen oder Querbinden. Ihnen widmet sich der „Tipp des Monats".


Sie haben aber nicht nur die schönsten Farben unter den Süßwasserfischen und sind darum bei Aquarianern sehr begehrt. Sie gelten außerdem als artenreichste Wirbeltiergruppe überhaupt. Deshalb interessieren sich auch Evolutionsbiologen, die die Grundlagen der Artbildung erforschen, für diese Juwelen des Süßwassers.

Buntbarsche, wissenschaftlich Cichliden genannt, kommen weltweit nur in Binnengewässern vor. Ihre Artenfülle ist in den großen Seen Afrikas besonders ausgeprägt, vor allem im Malawisee. Hier sollen zwischen 500 und 1000 Arten beheimatet sein, davon kommen die meisten Arten ausschließlich in diesem See im afrikanischen Südosten vor. Zum Vergleich: Die Flüsse und Seen von ganz Europa beherbergen nur etwa 200 Fischarten.

Mit einer Fläche von 31000 km2 ist der See mit dem glasklaren Wasser nach dem Victoriasee und dem Tanganjikasee der drittgrößte See Afrikas. Er entstand vor 2 Millionen Jahren in der Folge von Vulkanausbrüchen und Erdbeben. Die ersten einwandernden Buntbarsche fanden in ihm verschiedenste Lebensräume vor. So gibt es heute Fels- Sand- oder Schlammboden bewohnende Cichliden.

Aber nicht nur die abwechslungsreiche Umgebung führte zur Artenfülle der erfolgreichen Fischgruppe, sondern auch besondere Eigenschaften der Tiere. So haben diese Fische einen besonders anpassungsfähigen Kauapparat, der ihnen ganz unterschiedliche Nahrungsquellen erschließt. Arten mit spitzen Zähnen ernähren sich von Insekten, solche mit flachen Zähnen können gut Schneckengehäuse knacken. Andere weiden Algen von Felsen, wieder andere fressen die Brut anderer Fische oder sogar deren Schuppen. Diese Ernährungsweisen lassen sich auch deutlich an der Maulform ablesen.

Auch die besondere Brutfürsorge der Malawisee-Cichliden trägt sicher zum Erfolg dieser Tiergruppe bei: Die Weibchen tragen die befruchteten Eier im Maul, bis die Jungfische nach etwas drei Wochen schlüpfen – bei strenger Nulldiät, versteht sich. Auch danach dient das mütterliche Maul bei Gefahr als Rückzugsort für die Junioren.


                                                                                                             Martina Bünnige