Tipp des Monats September                 Zum Archiv

Heimische Großmuscheln – Leben im Verborgenen

Spricht man von Muscheln, so denken viele an die angespülten Schalen, die im Urlaub am Meer gesammelt werden. Weniger bekannt ist, dass es die Tiere mit den zwei Klappen auch im Süßwasser gibt. Wie fast alle Wasserbewohner sind lebende Muscheln schwer zu beobachten, denn sie sind meist am Grund von Bächen oder Teichen eingegraben. So geschützt, können manche Arten sogar ein Trockenfallen ihres Gewässers überleben.


In Deutschland kommen sieben Arten der Großmuscheln vor. Sie werden Fluss, Bach- oder Teichmuscheln und zusammenfassend auch „Najaden“ genannt. Das sind nach der griechischen Mythologie Wassernymphen, die über die Reinheit von Quellen, Bächen, Seen und Flüssen wachen. Auch die heutigen „Najaden“ haben eine wichtige Funktion, denn sie ernähren sich von Plankton und feinsten organischen Schwebeteilchen (Detritus). Eine Teichmuschel zum Beispiel kann auf diese Weise bis zu 40 l Wasser pro Tag filtern. Damit sorgen auch sie für die Reinheit des Wassers. Doch leben Großmuscheln nicht ausschließlich so friedlich. Ihre einzigartigen Larven, Glochidien genannt, heften sie sich in Kiemen oder Haut von Fischen fest und ernähren sich als Parasiten vom enzymatisch aufgelösten Gewebe ihres Wirtes. Nach einigen Wochen bis Monaten sinken die Jungmuscheln auf den Grund und entwickeln sich im Sandlückensystem weiter. Aber: Die empfindlichen Jungmuscheln einiger Arten erreichen immer seltener die Geschlechtsreife, weil sie häufig zuvor durch Schlamm und Sauerstoffmangel erstickt werden. Aus diesem Grund überaltern die Bestände vieler Najaden. Das gilt insbesondere für die vom Aussterben bedrohte Flussperlmuschel und die Bachmuschel (Unio crasssus), die wegen ihrer kritischen Bestandssituation zum „Weichtier des Jahres 2006“ erklärt wurde.
                                                                                                             Martina Bünnige