
| | Tipp des Monats Mai Zum Archiv |
![]() | Der Kleiber – Vogel mit vielen Namen Er klettert am Baumstamm wie ein Specht und ist etwa so groß wie eine Kohlmeise. Sein volkstümlicher Name „Spechtmeise“ weist auf die Ähnlichkeit mit diesen beiden Vögeln hin. Der flinke Singvogel gehört zu den typischen Stimmen im Frühlingswald. Er ist als diesjähriger „Vogel des Jahres“ ein Botschafter für seinen Lebensraum, die Rotbuchen- und Eichenwälder. Aus diesem Anlass widmet das Naturhistorische Museum ihm den „Tipp des Monats“. |
| Im Gegensatz zu Spechten können Kleiber sogar mit dem Kopf voran den Baumstamm abwärts laufen. Der westfälische Dialektname „Rennekloeter“ (Rindenkleber) bringt dies treffend zum Ausdruck. Der wissenschaftliche Name, Sitta europaea, soll von dem Kontakt¬ruf „sitt“, mit dem sich das Kleiberpaar verständigt, abgeleitet sein. Als Standvogel beginnt er zeitig mit dem Nestbau. Der Höhlenbrüter ist dabei auf Fertigbauten wie verlassene Specht¬höhlen, Baumlöcher oder Nistkästen angewiesen. Die besondere Fertigkeit des Kleibers, seine Höhle mit Lehm auszukleiden und damit sogar die Fluglöcher seiner Behausung zu verkleinern, hat wohl auch zu seinem deutschen Namen geführt: Denn „Kleiber“ ist dem althochdeutschen Wort für Ankleben oder Verputzen entlehnt. Sorgfältig verputzt der Kleiber Ritzen und Unebenheiten, bevor er das Nest aus weicher Kiefernrinde auf einem Podest von Stöckchen und grober Borke errichtet. Den Briten ist eine andere Verhaltensweise aufgefallen: Sie nennen den flinken Waldvogel Nuthatch (Nut = Nuss / hatch = sammeln). Tatsächlich sammelt der Kleiber ab dem Spätsommer Nüsse und andere Samen, die er in Lücken der groben Borke von Bäumen klemmt, um sie so besser aufhacken zu können. Auch Vorräte werden in Borkeritzen verkeilt und dann noch zur Tarnung „überkleibert“, das heißt mit Lehm abgedeckelt. Gut untersucht ist der Einfluss der Rotbuchen auf den Bruterfolg des Kleibers: Nach einem Herbst mit besonders vielen Bucheckern, sogenannten Mastjahren, sind deutlich mehr Kleiber im Folgejahr nachweisbar. Die Population kann dann bis zu 20 % zunehmen. Im „Braunschweiger Höhlenbrüterprogramm“ werden Kleiber beobachtet und besonders ihre Brutdaten erfasst. Dabei fiel auf: Obwohl Kleiber zeitig im Frühling anfangen, blieb es bisher immer bei nur einer Schar Jungvögel pro Jahr. Doch nun konnten im Untersuchungsgebiet „Bahrdorfer Kiefernforst“ seit 2004 Zweitbruten von Kleibern nachgewiesen werden. Die Braunschweiger Forscher sehen in diesem Befund einen Zusammenhang mit der Erhöhung der durchschnittlichen Märztemperaturen. Diese ließen die Kleiber noch früher mit dem Brüten beginnen. Und das erhöht die Chancen für die „Zweiten“, sich erfolgreich anzusiedeln. Martina Bünnige | |