Tipp des Monats August                 Zum Archiv

Der Frühlingsbote,
den es in den Süden zieht


Jetzt ist es wieder so weit. Ab Anfang August verlässt der Kuckuck Deutschland, um sich auf den langen Weg in sein Winterquartier zu machen. Wie viele andere Langstreckenzieher fliegt er dabei überwiegend nachts. Bis zu seinem Ziel in Afrika, südlich des Äquators muss er eine Strecke von ca. 8000 km zurücklegen. Dort überwintert der Kuckuck bevorzugt in der Nähe von Wasserläufen oder in mit Akazien bestandenen Savannen.


Nach Deutschland zurückkehren wird der Kuckuck erst wieder ab Mitte Mai, wenn er seinem volkstümlichen Namen Frühlingsvogel oder Ostervogel wieder alle Ehre machen wird. Dann hört man seinen allseits bekannten Ruf, der nicht nur seinen deutschen Namen prägte, sondern auch im Englischen mit Cuckoo oder im Lateinischen mit Cuculus namensgebend war.

Nahezu legendär ist der Kuckuck für seine ungewöhnliche Art der Jungenaufzucht. Kuckuckspaare gehen keine längere Bindung ein. Sie kommen nur für die Paarung zusammen und trennen sich nach nicht einmal einem Tag wieder. Ist das Kuckucksweibchen zur Eiablage bereit, so beobachtet es ein Vogelpärchen, das als Wirt in Frage kommt. Ist das Wirtsnest für einen Moment unbeobachtet, fliegt das Kuckucksweibchen zum Nest, nimmt ein Wirtsei in den Schnabel und legt ein eigenes Ei in das Nest. Der ganze Eiertausch dauert gerade einmal zehn Sekunden und nach der Eiablage kümmert sich die Kuckucksmutter nicht weiter um den Nachwuchs. Das Kuckucksküken entwickelt sich schneller als die eigenen Jungen der Wirtsvögel. Das nur wenige Stunden alte, nackte und blinde Kuckucksjunge balanciert die Wirtseier auf dem Rücken und wirft eines nach dem anderen aus dem Nest. So schaltet das Kuckucksjunge die Konkurrenz aus und lässt sich von den Wirtseltern aufziehen, als wäre es ihr eigenes Küken. In Europa nutzt der Kuckuck mehr als 100 Vogelarten zur Jungenaufzucht. Häufige Wirtseltern sind Teichrohrsänger, Wiesenpieper, Neuntöter, Hausrotschwanz, Rotkehlchen, Bachstelze und sogar der kleine Zaunkönig. Die Färbung der Kuckuckseier ist an die Färbung der Eier des jeweiligen Wirtes angepasst. Die Weibchen spezialisieren sich auf eine bestimmte Wirtsart und legen Eier, die den Eiern des jeweiligen Wirtes ähnlich sehen. Töchter legen den gleichen Eityp wie schon ihre Kuckucksmutter und parasitisieren bei der gleichen Wirtsart, von der sie selbst groß gezogen worden sind.

Leider wird der Kuckuck, der vom NABU und vom Landesbund für Vogelschutz zum Vogel des Jahres 2008 gekürt wurde, immer seltener. In Deutschland gehen die Bestandszahlen schon seit Mitte der 60er Jahre zurück. Gründe für diesen Rückgang sieht man in der Zerstörung des Lebensraumes durch den Bau von Freizeitanlagen und Straßen und dem Anbau großflächiger Monokulturen. Der Einsatz von Pestiziden verringert die Anzahl von Insekten und entzieht dem Kuckuck als Insektenfresser die Nahrung. Auch der Klimawandel kann nach derzeitigen Einschätzungen ebenfalls negative Folgen haben. Viele der Wirtsvögel kommen früher zurück und brüten früher. Für den Kuckuck, der zur gewohnten Zugzeit zurückkehrt, wird es immer schwieriger Nester zu finden, die noch am Anfang der Brut stehen.

Mehr über den Kuckuck und dass es nicht immer leicht ist Kuckuckseier von Wirtseiern zu unterscheiden, erfährt man im Tipp des Monats im Naturhistorischen Museum.

                                                                                                             Verena Traxel

Das Bild zeigt einen jungen Kuckuck aus der Sammlung des Staatlichen Naturhistorischen Museums