Tipp des Monats August          Zum Archiv

Totengräber – Einmalige Käfer mit dem Familiensinn von Vögeln

Die Totengräber (Nicrophorus) gehören mit weltweit etwa 70 Arten zu den Aaskäfern (Silphidae). Sie sind die bekanntesten und wohl auch interessantesten Vertreter dieser Käfergruppe, da sie eine für Käfer einmalige und hochentwickelte Brutpflege betreiben, die sich sogar mit der von Vögeln vergleichen lässt. Die Totengräber sind der Tipp des Monats Oktober im Naturhistorischen Museum an der Pockelsstraße.


In Mitteleuropa kommen acht Totengräber-Arten vor, wobei allerdings nur fünf regelmäßig anzutreffen sind. Totengräber können bis zu drei Zentimeter groß werden. Die meisten von ihnen sind sehr gut an ihren auffälligen orangefarbenen Querstreifen auf den Flügeldecken zu erkennen. Ihre Fortpflanzungszeit beginnt je nach Art im Frühling oder Sommer. Für die Versorgung ihrer Nachkommenschaft nutzen sie kleine tote Wirbeltiere. Diese spüren die Käfer mithilfe ihres empfindlichen Geruchsinnes auf. Kommt ein einzelnes Männchen zuerst an einem toten Tier an, beginnt es mit einer Verhaltensweise, die als „Sterzeln“ bezeichnet wird. Es streckt dabei den Hinterleib in die Höhe, gibt einen Lockstoff für die Weibchen ab. Treffen mehrere Totengräber gleichzeitig an einem Aas ein, kämpfen sie solange gegeneinander bis die unterlegenen Käfer das Feld räumen und nur noch en Paar einer Art übrig bleibt.

Das Totengräberpärchen vergräbt den Kadaver durch Unterwühlen, wodurch er nach und nach einsinkt. Später pressen sie ihn in einen schief in die Erde führenden Gang. Durch das Hineinzwängen in den Gang und das stetige Ziehen der Käfer wird die Leiche immer mehr zusammengefaltet und abgerundet. Der Eingrabungsvorgang kann mehrere Stunden dauern, bis das Aas schließlich in einer Erdhöhle, die man Krypta nennt, zum liegen kommt. Danach legt das Weibchen bis zu 50 Eier in die Wand eines von dem Aas ausgehenden Erdganges oder einfach in das umgebende Erdreich ab. Bis zum Schlüpfen der Larven vergehen wenige Tage. Die Eltern, oft auch nur das Weibchen, pflegen in dieser Zeit die Aaskugel und fressen eine trichterförmige Öffnung auf die Oberseite der Kugel, in die sie Verdauungsflüssigkeit abgeben.

Die frisch geschlüpften Larven wandern zur Aaskugel und versammeln sich im Trichter. Ähnlich wie die Vögel ihre Jungen füttern, verfahren nun auch die Totengräber. Sie füttern ihre Larven mit vorher aus dem Trichter aufgenommener Aasflüssigkeit. Die Larven suchen dabei aktiv das Vorderende des erwachsenen Käfers. In den ersten Tagen werden die Larven regelmäßig gefüttert, sie können aber auch selber vom Aas fressen. Nach nur sieben Tagen ist die Entwicklung der Larven abgeschlossen, die Verpuppung beginnt. Hierzu verlassen die Larven die Bruthöhle und verteilen im Boden sich rund um die Bruthöhle. Das Aas ist zu dieser Zeit meist vollständig verbraucht.

Die Larven der Arten, die bereits früh im Jahr mit der Fortpflanzung beginnen, beenden im gleichen Jahr ihre Entwicklung, hier können sich sogar die Jungkäfer noch im selben Jahr fortpflanzen. Diese Arten überwintern immer als erwachsene Käfer. Arten mit später Fortpflanzung überwintern als Larven und vollenden ihre Entwicklung im folgenden Jahr.

                                                                                                             Claudia Kamcke