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![]() | Eines der großen Dioramen des Naturhistorischen Museums stammt von 1956 und ist dem Wisent, dem Wildtier des Jahres 2008 gewidmet. Damals wie heute bewegt das Schicksal dieses Wildrindes die Gemüter. |
Mit seinen bis zu 1000kg Körpergewicht und einer Widerristhöhe von zwei Metern ist der Wisent das größte Landwirbeltier Europas. Die Bullen können eine Körperlänge von über drei Metern erreichen, womit der Wisent sogar größer als sein nordamerikanischer Verwandter, der amerikanische Bison ist. Wisentkühe sind bis zu einem drittel kleiner als die Bullen, werden aber älter als diese. Sowohl die Bullen als auch die Kühe tragen nach oben gerichtete, einwärts gebogene Hörner, die bei den Bullen eine beeindruckende Länge von bis zu einem halben Meter erreichen können. Das an Hals und Nacken besonders lange und dichte Fell ist ein hervorragender Schutz gegen die Kälte. Einem so stattlichen Tier wie dem Wisent kann mit Ausnahme des Menschen in freier Wildbahn nur ein Rudel Wölfe oder ein Bär gefährlich werden. Seine Größe und Stärke machten jedoch das Wisent seit jeher zu einer attraktiven Jagdbeute für den Menschen. Hielten die Römer Germanien noch für die Heimat des Wisents, so sorgten neben der Bejagung auch die Ausweitung des menschlichen Kulturraumes und die Rodung der Wälder dafür, dass der Wisent immer weiter in östliche Gebiete zurückgedrängt wurde. Ursprünglich waren Wisente über ganz Europa verbreitet, doch schon im 11. Jahrhundert verschwanden die Tiere in England, im 14. Jahrhundert dann auch in Frankreich. Vor rund 250 Jahren wurde der letzte ostpreußische Wisent gewildert. Im östlichen Polen hingegen wurden Wisente in Gehegen und Parks für die Jagden des Königs und des Adels gehalten. Dieser Bestand hielt sich daher noch bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts. Bei einer Bestandsaufnahme im Jahre 1921 stellte man fest, dass es keine freilebenden Wisente mehr gab. Lediglich 54 Wisente wurden in Zoos und Parks gezählt. Um das Überleben der Tiere zu sichern, wird ein Zuchtbuch geführt, in dem alle Tiere mit ihren Verwandtschaftsverhältnissen erfasst werden. Dies ist besonders wichtig, da alle heute lebenden Wisente auf nur 12 Gründertiere zurückgehen und durch Inzucht besonders anfällig für Krankheiten geworden sind. Heute gibt es weltweit wieder über 3000 Exemplare, teils in Gehegen aber auch in freier Wildbahn. Größere wilde Herden streifen heute wieder durch polnische und weißrussische Wälder, wie etwa die 450 Wisente im polnischen Bialowieza-Nationalpark. In Deutschland gibt es ca. 400 Tiere, die bisher in Gehegen gehalten wurden. Seit einigen Jahren gibt es erste Versuche, Wisente wieder in unseren Wäldern anzusiedeln, wie beispielsweise im Eleonorenwald im Rothhaargebirge. Mehr über den Wisent und sein Verhältnis zum Menschen erfahren Sie im Tipp des Monats im Naturhistorischen Museum. Verena Traxel | |