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Das warme und weiche Fell des Waschbären wurde schon von den Indianern und Pionieren Nordamerikas sehr geschätzt. Auch die Mitteleuropäer wollten mitmischen und legten Waschbär-Zuchtfarmen an. Aber der Erfolg war nicht so groß, wie erhofft. Vor gut 60 Jahren entließ das Preußische Landesjagdamt daraufhin im Hessischen Hügelland 2 Waschbär-Pärchen in die Freiheit. Sie sollten für eine Bereicherung des jagdbaren Wildes in Deutschland sorgen. 1950 schätzte man den Bestand in Hessen bereits auf etwa 300 Tiere. Etwa gleichzeitig entkamen in Brandenburg mehrere Zuchttiere. Per Gesetz unter Naturschutz hatten die Kleinbären nun alle Möglichkeiten, ihr Areal zu vergrößern. Das tun sie auch heute noch. Waschbären sind in Deutschland immer noch auf dem Vormarsch. Schätzungen liegen heute bei etwa 100.000 Waschbären. Bei einer jährlichen Abschussquote von 3.300 Tieren bleibt er sicher auch in absehbarer Zeit ein fester Bestandteil der Fauna Deutschlands.
Waschbären bewohnen im natürlichen Verbreitungsgebiet sehr unterschiedliche Landschaften. Am beliebtesten sind Laubmischwälder mit dazwischenliegenden Feuchtgebieten, Seen und Teichen und landwirtschaftliche Flächen. Als Tages-, Aufzucht und Winterruhe-Verstecke müssen Baumhöhlen, Erdbaue (auch von Fuchs und Dachs), Felsnischen, Holzstapel oder alte Gebäude vorhanden sein.
Der Waschbär erhielt seinen Namen durch die Angewohnheit, Gegensände ins Wasser einzutauchen. Lange dachte man, er würde so eine Nahrung waschen und Schmutzreste entfernen. Diese Verhaltensweise tritt jedoch nur in Gefangenschaft auf. Heute nimmt man an, dass es sich um eine Ersatzhandlung für die in Gefangenschaft nicht mögliche Nahrungssuche im Wasser handelt. Der englische Name ‚Racoon' kommt vom indianischen ‚Aroughcoune' und bedeutet soviel wie ‚Der mit den Händen kratzt'. Diese Verhaltensweise kann sicher noch wesentlich häufiger beobachtet werden als das ‚Waschen'. Waschbären sind Allesfresser. Auf der Suche nach Nahrung sind sie eher Sammler als Jäger. Im Jahresverlauf setzt sich ihre Nahrung zu jeweils einem Drittel aus Pflanzenkost, Wirbellosen und Wirbeltieren zusammen.
Dank ihrer großen Anpassungsfähigkeit sind Waschbären zu Kulturfolgern geworden. Sie verstehen es sehr gut, sich die Nähe des Menschen zunutze zu machen. Mülltonnen werden dabei als zuätzliche Nahrungsquelle entdeckt. In Amerika postieren sich sogar richtige Waschbär-Clans an den Campingplätzen und Touristenstraßen. Betteln um Futter ist die Devise! Manchmal starten die Trupps regelrechte Raubzüge auf ahnungslose Picknicker. Aber Vorsicht! Waschbären können ziemlich aufsässig und unangenehm werden. Ihre spitzen Zähne und langen Krallen sind Waffen, die durchaus zum Einsatz kommen. Ganz so harmlos sind die neugierigen Gesellen mit der dunklen Räubermaske also nicht.
Kirstin Kuczius |
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