Tipp des Monats im Februar 2006:
   Weinbergschnecken – 
Nützlich und interessant

Schnecken werden vom Menschen oft ausschließlich als Gartenschädlinge betrachtet. Bei allem Ärger über Fraßschäden sollte man jedoch bei der Bekämpfung nicht zu eifrig vorgehen. Denn längst nicht alle Schneckenarten richten große Schäden an. Die große Weinbergschnecke – sie steht übrigens unter Naturschutz – hilft dem Gärtner sogar, denn sie frisst auch die Eigelege der Nacktschnecken auf. Ihr widmet sich der Tipp des Monats Februar im Naturhistorischen Museum.

   
     Foto: Walter Wimmer, NABU

Unter den einheimischen Gehäuseschnecken ist die Weinbergschnecke ein Riese. Ihre spiralig gewundene Schale wird bis zu 6 cm groß. Sie hat fast immer die Form einer rechtsgängigen Spirale. Nur bei etwa einem von 20.000 Exemplaren ist sie linksgängig. Diese Tiere nennt man auch Schneckenkönige.

Man findet Weinbergschnecken an schattigen und feuchten Orten besonders auf kalkhaltigen Böden, denn zum Aufbau ihres Gehäuses sind Schnecken auf diesen Mineralstoff angewiesen. Den Winter verbringen Weinbergschnecken in einer Kältestarre im Boden eingegraben. Dabei verschließt die Schnecke ihr Haus mit einem Kalkdeckel. Dies macht sie dann zu einer Art natürlichen Konserve. Und so dienten sie schon Soldaten auf Napoleons Feldzügen nach Russland als eiweißreiche Marschverpflegung.

Im Mittelalter waren Schnecken aber eine beliebte Fastenspeise, da sie "weder Fisch noch Fleisch" sind. Heute werden sie als Delikatesse geschätzt, weil sie in freier Natur selten sind, stammen die Tiere zum Verzehr aber fast ausschließlich aus Schneckenfarmen.

Schnecken sind aber nicht nur interessant für Gourmets – auch sie selbst sind große Genießer. Das Paarungsvorspiel der zwittrigen Tiere ist sehr interessant zu beobachten: Beide Schnecken beginnen, sich mit aneinander gelegten Fußsohlen aufzurichten und sich gegen­seitig mit Lippen und Fühlern zu betasten, während sie sich sanft hin und her wiegen. Als Vorspiel zur eigentlichen Paarung kann etwa dieses Liebesspiel allein bis zu 20 Stunden andauern.

Kurz vor der Paarung stoßen sich die Schnecken einen etwa 5 mm langen „Liebespfeil“ in die Fußsohle. Dieses dünne Kalkstilett ist arttypisch geformt und damit ein sicheres Bestimmungsmerkmal. Neueste Forschungen haben ergeben, dass die Anwendung des Liebespfeils nicht nur Auswirkungen auf das Paarungsverhalten der beiden Schnecken hat. Mit dem Liebespfeil wird ein hormonhaltiges Sekret injiziert, das in der Folge dem Pfeil-Schützen eine höhere Chance bietet, dass seine Gene zur Fortpflanzung gelangen. Denn Schnecken sind nicht unbedingt treu und paaren sich mehrmals, bevor es zur Eiablage kommt.

Das Naturhistorische Museum zeigt in seiner Dauerausstellung neben einer Vielfalt der Schneckenarten ein stark vergrößertes Modell einer Weinbergschnecke. Wer hätte gedacht, dass Schnecken Tausende von Zähnen besitzen? Dazu und wie diese Tiere gemächlich über die schärfsten Messerklingen kriechen können, erfahren Besucher des Naturhistorischen Museums mehr an der Tipp-Säule im ersten Stock des Museums.

 Martina Bünnige

 

 

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