Tipp des Monats im Mai 2004: Der Zaunkönig - Vogel des Jahres 2004


Mit dem Zaunkönig haben der Landesbund für Vogelschutz (LBV) und der Naturschutzbund (NABU) eine der kleinsten heimischen Arten zum Vogel des Jahres 2004 gewählt. Als bekannter Sympathieträger wirbt er stellvertretend für andere Tiere des menschlichen Siedlungsraumes für naturnahe Gärten Parks und Grünflächen. Ein Grund für das Naturhistorische Museum ihn zum Tipp des Monats im Mai zu machen.

Der heimische Zaunkönig (Troglodytes troglodytes) ist ein Vertreter der gleichnamigen Familie der Zaunkönige, zu der weltweit rund 70 Arten zählen. Fast ausnahmslos leben die Verwandten unseres Zaunkönigs im tropischen Mittel- und Südamerika. Einzig der bei uns vorkommende Zaunkönig hat seinen Lebensraum von Nordamerika westwärts auf weite Teile Asiens, Europas und Nordafrikas ausgedehnt.

Gerade einmal zehn Gramm wiegt der Zaunkönig, dies wird hierzulande nur vom Goldhähnchen unterboten.. Sein rostbraun gebändertes Gefieder sorgt für eine perfekte Tarnung im Unterholz. Charakteristisch ist sein steil aufgerichteter Schwanz. Männchen und Weibchen sind beim Zaunkönig gleich gefärbt. Sein spitzer und leicht gebogener Schnabel kennzeichnet ihn als typischen Insektenfresser. Mit seiner kompakten Gestalt und seinen kurzen runden Flügeln ist er perfekt an das Leben und die Fortbewegung im dichten Gestrüpp angepasst. Fast mäusegleich huscht er in unmittelbarer Bodennähe von einem Versteck zum nächsten.

Was dem Zaunkönig an äußerer Pracht fehlen mag, macht der Winzling mit seinem laut schmetternden, unverwechselbaren Gesang wett. Das singende Männchen erreicht trotz seiner geringen Größe eine enorme Lautstärke und ist auf einer Distanz von bis zu 500 Metern zu hören. In der Brutzeit beginnt der „königliche Gesang“ mit der Morgendämmerung und endet erst am späten Abend.

Der Zaunkönig bevorzugt unterholzreiche Wälder und Feldgehölze aber auch Gärten und Parks, die ausreichend Deckung für ein ungestörtes Brutgeschäft bieten. Gerne besiedelt er auch feuchtere Standorte, weshalb man ihn regelmäßig entlang von Bachläufen und Grabenrändern findet. Entscheidend für die Revierwahl ist der Faktor Sicherheit. Eine dichte Vegetation in Bodennähe bietet dem Zaunkönig den richtigen Unterschlupf. Die lebensnotwendige Deckung findet er aber auch entlang von Natursteinmauern und selbst künstliche Nischen unterschiedlicher Art können seinen Ansprüchen genügen. So findet man nicht selten seine Nester an recht ungewöhnlichen Orten wie in alten Briefkästen, in alten Blumentöpfen, stehen gelassene Fahrräder oder in an Türen hängen gebliebenen Adventskränzen.

Der Zaunkönig überwintert in Wäldern, Parks und Gärten, die über einen ausgeprägten Unterwuchs mit Sträuchern und Krautschicht verfügen. Manchmal zieht es ihn in dieser Zeit sogar ganz in die Nähe des Menschen und man findet ihn auch in Ställen und Scheunen. Um den Wärmeverlust zu reduzieren, finden Zaunkönige sich manchmal auch zu Schlafgemeinschaften zusammen. Eine Gruppe von bis zu einem Dutzend Vögel sitzt dann eng beieinander, bildet einen Kreis und steckt die Köpfe zusammen.

 

Claudia Kamcke


 
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